Fake Check - Kesselwagen

Ein Internetvideo zeigt uns Unglaubliches: Ein Kesselwagen steht auf einem Güterbahnhof. Plötzlich fällt er innerhalb von Millisekunden komplett in sich zusammen. Wie ist so etwas möglich? Was geht hier vor? Kann ein Kesselwagen so einfach implodieren?

 

Galileo-Reporter Klas Bömecke will es herausfinden. Auf einem Güterbahnhof findet er einen Kesselwagen wie im Video. 4 Meter hoch ist er, 17 Meter lang. Der Kessel besteht aus 5 mm dickem Baustahl. Schnell zeigt sich: Dieser Wagen scheint unkaputtbar.

Doch Klas will es genau wissen. An der TU-Berlin trifft er Lars Koopmann – einen wissenschaftlichen Mitarbeiter, der sich mit Unterdruck in der Schifffahrt beschäftigt. Versuche mit einer Vakuumpumpe und einer PET-Flasche sowie einer Bierdose zeigen: Nur Luft heraussaugen – das geht viel zu langsam. Deshalb muss eine andere Lösung her. Und die könnte so aussehen. Man erhitzte etwas Wasser in einer Coladose, bringe es auf einer Herdplatte zum kochen, und kühle die Dose in einem Wasserbehälter ab. Die Dose implodiert schlagartig, da der Wasserdampf im Innern sich auf ein 1000tel verdichtet, wenn er wieder zu Wasser wird. Aber klappt dies auch bei größeren, stabileren Behältern?

Klas macht sich auf den Weg zur Bundesanstalt für Materialforschung. Dort macht er den gleichen Versuch mit einem Industriefass, das er in einem Planschbecken abkühlt. Das Fass implodiert. Trotzdem: In dem Video kann es so nicht gewesen sein, da der Kesselwagen natürlich in keinem Planschbecken oder gar Schwimmbad steht. Klas findet heraus: In dem Video gab es schlechtes Wetter. Der Kesselwagen war nass. Wurde er durch einen Regenguss so stark heruntergekühlt, dass der Wasserdampf sich entsprechend abkühlen konnte? Klas simuliert den Regen mit einem Gartenschlauch. Und tatsächlich – es dauert zwar etwas länger, aber das Fass implodiert. Damit scheint das Rätsel gelöst. Bleibt noch der ultimative Realitätstest. Ein Kesselwagen muss her – und er muss implodieren – als finaler Wahrheitsbeweis.

In der Schweiz findet Klas einen Kesselwagenverleiher, der mit ihm das Experiment wagen will. Doch der Geschäftsführer glaubt nicht an die Lösung mit dem Wasserdampf. Er plädiert nach wie vor auf Unterdruck. Aber wie kann das gehen? Unsere vorherigen Versuche haben gezeigt: Keine Unterdruckpumpe der Welt kann in einer Zeit von Millisekunden einen ganzen Kesselwagen leerpumpen, der darüber hinaus auch noch äußerst stabil ist. Die mögliche Lösung: Hier geht es vor allem um das Phänomen der Formstabilität. Die runde Form des Kesselwagens macht ihn so stabil, dass er dem Unterdruck über einen großen Zeitraum standhält. Sobald sich jedoch eine erste Beule bildet, wird die Form sofort als ganzes instabil. Der Wagen fällt schlagartig in sich zusammen.

Dann machen wir den Test. Unser Kesselwagen wird zur Hälfte mit Wasser befüllt. Eine Pumpe saugt das Wasser ab. Dadurch entsteht ein Unterdruck im Kessel. Minutenlang passiert nichts. Doch dann fällt der Kesselwagen tatsächlich schlagartig in sich zusammen. Der Beweis: Das Video war echt.

Links zum Beitrag:
Bundesanstalt für Materialforschung 
Wascosa Kesselwagenverleih 
TU Berlin, Institut für Land- und Seeverkehr 

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Unglaubliches aus dem Netz: Ein Kesselwagen, der plötzlich ohne Vorwarnung innerhalb von Millisekunden in sich zusammenfällt. Doch kann dieser Koloss so einfach implodieren? Wir haben den Test gemacht.

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