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Wir finden's eklig, aber in Asien ist dieses stinkende Essen eine Delikatesse - Warum?

  • Veröffentlicht: 16.08.2021
  • 08:45 Uhr
  • Galileo

Stinkender Tofu - was für uns eklig klingt, ist in Asien eine Delikatesse. Aber warum stinkt der Tofu so? Und warum empfinden wir etwas als eklig, was andere voll lecker finden?

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Das Wichtigste zum Thema Stinky Tofu

  • Stinky Tofu ist in Taiwan eine Delikatesse. Seit Jahrhunderten wird er dort hergestellt. Wie? Der Tofu wird mehrere Stunden, manchmal auch Tage, in einer Pflanzenbrühe fermentiert.

  • Der stinkende Tofu soll die Zufallsentdeckung eines chinesischen Tofuhändlers im 17. Jahrhundert gewesen sein. Er hatte zu viel Tofu und legte diesen in Salz ein, um ihn haltbar zu machen.

  • Bei der Fermentierung wandeln Bakterien Bestandteile des Tofu wie Zucker und Kohlenhydrate um. Dabei entstehen übel riechende Gase - und der Geschmack des Tofu verändert sich. Der eigentlich Clou aber: So wird der Tofu haltbar gemacht. Ähnliche Verfahren gibt es auch bei uns. Welche das sind, erfährst du weiter unten.

  • Hierzulande ist Stinky Tofu keine Delikatesse, sondern gilt eher als eklig. Aber warum ekeln wir uns überhaupt? Das wird unten im Interview geklärt.

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Interview mit Psychologe Professor Rudolf Stark von der Universität Gießen: Warum ekeln wir uns vor manchen Lebensmitteln - und warum ist das auch ganz gut so?

💬 Ekel hat uns in unserer Entwicklung davor bewahrt, dass wir uns mit Pflanzen vergiften. Mit einem Ekelgesicht zeigen wir anderen: Das darfst du nicht essen!

💬 Was wir eklig finden, verändert sich. In Deutschland war es früher gang und gäbe, Pferdefleisch zu essen. Heute ist das verpönt, weil sich die gesellschaftlichen Traditionen geändert haben.

💬 Es geht beim Ekel nicht nur um gesundheitliche Aspekte. Ein Beispiel: Würmer essen ist sehr gesund. Aber wenn wir Würmer sehen, finden wir sie eklig - allein schon wegen ihres Aussehens.

💬 Menschen aus anderen Kulturen essen Würmer. Sie haben durch Vorbilder gelernt, dass sie gut sind. Unsere Eltern, die Schule und auch die Medien bestimmen mit, was wir eklig finden.

💬 Je mehr neue Erfahrungen jemand macht, je mehr er reist, umso öfter stellt er fest: Das, was er als eklig abgespeichert hat, schmeckt vielleicht doch richtig gut. So lösen sich die traditionellen Vorstellungen mehr und mehr auf.

Andere Delikatessen, die wir (noch) eklig finden

Frittierte Insekten werden zum Beispiel in Thailand, China und Kambodscha gegessen.
Frittierte Insekten werden zum Beispiel in Thailand, China und Kambodscha gegessen.© picture alliance / dpa | Alexandra Schuler
Im sardischen Käse Casu Marzu sind Maden. Sie werden einfach mitgegessen.
Im sardischen Käse Casu Marzu sind Maden. Sie werden einfach mitgegessen. © picture alliance / Anja Barte Telin/DFM/Cover Image | R4886
Dagegen wirken Froschschenkel, eine französische Spezialität, schon fast wie ein Klassiker.
Dagegen wirken Froschschenkel, eine französische Spezialität, schon fast wie ein Klassiker. © picture alliance / Rolf Haid | Rolf Haid
Bei uns ein Haustier, in Peru und Ecuador eine Delikatesse: Meerschweinchen.
Bei uns ein Haustier, in Peru und Ecuador eine Delikatesse: Meerschweinchen. © picture alliance / imageBROKER | Erich Schmidt
Auf chinesischen Märkten gibt es oft Hühnerfüße zu kaufen. Frittiert gelten sie in vielen Ländern als köstlicher Snack.
Auf chinesischen Märkten gibt es oft Hühnerfüße zu kaufen. Frittiert gelten sie in vielen Ländern als köstlicher Snack. © picture alliance / imageBROKER | Norbert Eisele-Hein
Die Schweden haben eine Spezialität, die Surströmming heißt. Das ist vergorener Hering.
Die Schweden haben eine Spezialität, die Surströmming heißt. Das ist vergorener Hering. © picture alliance / TT NEWS AGENCY | DPR
Dieses Ei ist nicht wirklich 1.000 Jahre alt - auch wenn es nach der Fermentierung so aussieht. Es ist höchstens 3 Jahre alt. Und die Chinesen lieben es.
Dieses Ei ist nicht wirklich 1.000 Jahre alt - auch wenn es nach der Fermentierung so aussieht. Es ist höchstens 3 Jahre alt. Und die Chinesen lieben es. © picture alliance / imageBROKER | Marc Schwär
Um ihn essbar zu machen, wird Grönlandhai auf Island erst eingegraben und dann getrocknet. Das Ergebnis: fermentierter Hai - Hakarl.
Um ihn essbar zu machen, wird Grönlandhai auf Island erst eingegraben und dann getrocknet. Das Ergebnis: fermentierter Hai - Hakarl. © picture alliance / DUMONT Bildarchiv | Gerald Haenel
Auch in Deutschland gibt es Ekel-Essen: Berühmt ist der Milbenkäse aus Würchwitz. Die Milben fermentieren ihn - und werden dann mitgegessen.
Auch in Deutschland gibt es Ekel-Essen: Berühmt ist der Milbenkäse aus Würchwitz. Die Milben fermentieren ihn - und werden dann mitgegessen. © picture alliance / dpa | Waltraud Grubitzsch
Frittierte Insekten werden zum Beispiel in Thailand, China und Kambodscha gegessen.
Im sardischen Käse Casu Marzu sind Maden. Sie werden einfach mitgegessen.
Dagegen wirken Froschschenkel, eine französische Spezialität, schon fast wie ein Klassiker.
Bei uns ein Haustier, in Peru und Ecuador eine Delikatesse: Meerschweinchen.
Auf chinesischen Märkten gibt es oft Hühnerfüße zu kaufen. Frittiert gelten sie in vielen Ländern als köstlicher Snack.
Die Schweden haben eine Spezialität, die Surströmming heißt. Das ist vergorener Hering.
Dieses Ei ist nicht wirklich 1.000 Jahre alt - auch wenn es nach der Fermentierung so aussieht. Es ist höchstens 3 Jahre alt. Und die Chinesen lieben es.
Um ihn essbar zu machen, wird Grönlandhai auf Island erst eingegraben und dann getrocknet. Das Ergebnis: fermentierter Hai - Hakarl.
Auch in Deutschland gibt es Ekel-Essen: Berühmt ist der Milbenkäse aus Würchwitz. Die Milben fermentieren ihn - und werden dann mitgegessen.
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Galileo

Drei verrückte Trend-Speisen aus Asien

Penis-Fische oder Kobra-Burger - klingt ziemlich eklig, doch in Korea und Indonesien sind das beliebte Delikatessen. Weitere skurrile Asia-Snacks hier im Video!

  • Video
  • 14:31 Min
  • Ab 12

Wie wir Lebensmittel haltbar machen

Die Menschen haben in den vergangenen Jahrhunderten verschiedene Methoden entwickelt, um Lebensmittel haltbar zu machen.

Schon früh haben sie gelernt, Fleisch zu salzen (pökeln) oder zu räuchern, um es haltbar zu machen.

Auch mithilfe von Zucker lassen sich Lebensmittel konservieren. Der Zucker entzieht Lebensmitteln und Mikroorganismen das Wasser, so dass Bakterien nicht überleben können. Durchgesetzt hat sich diese Methode vor allem bei Früchten.

Genauso funktioniert es, Lebensmittel einzukochen. Das tötet die Mikroorganismen ab. Wichtig ist, die Lebensmittel danach luftdicht verschlossen aufzubewahren.

Schon in der Antike wusste man, dass gekühlte Lebensmittel länger frisch bleiben. Der Kühlschrank wurde allerdings erst im Jahr 1877 von Karl Linde erfunden. Bis dahin wurden Keller genutzt, in die große Eisblöcke geschleppt wurden.

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