Anzeige
Strompreiserhöhung

 Deutschland verschenkt Energie ins Ausland

  • Aktualisiert: 05.01.2023
  • 10:12
  • Clarissa Yigit
Zum Jahresbeginn verschenkt Deutschland Strom an das Ausland. Die Strompreise steigen allerdings dennoch.
Zum Jahresbeginn verschenkt Deutschland Strom an das Ausland. Die Strompreise steigen allerdings dennoch.© picture alliance / CHROMORANGE | Weingartner-Foto

Deutschland verschenkt zum Jahresbeginn Strom ans Ausland auf Grund einer Überproduktion. Strompreise wurden dennoch um gut 60 Prozent erhöht.

Anzeige

Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen einer Überproduktion an Strom durch Windkraftanlagen musste Deutschland Strom ans Ausland verschenken.

  • Dennoch haben rund 600 Stromanbieter die Preise erhöht. 

  • Das Bundeskartellamt prüft die Rechtmäßigkeit der Preissteigerungen.

Deutschland verschenkte Strom zum Jahresbeginn an das Ausland. Hört sich zunächst merkwürdig an. Gerade weil Deutschland seit Beginn des Ukraine-Krieges eine Energiekrise zu bewältigen versucht. Allerdings soll fast ein Viertel des Stroms zum neuen Jahr ins Ausland geflossen sein. Belgien, Dänemark und Österreich seien nur einige der Abnehmer von deutschem Strom, wie die "Bild" schreibt.

Weshalb profitierte das Ausland von kostenlosem Strom?

Der Grund für den kostenlosen Strom war die hohe Leistung der rund 30.000 Windräder, die an Silvester im Dauerbetrieb liefen. So wurde auf Grund des stürmischen Wetters in Deutschland viel mehr Strom produziert als verbraucht.

Diese Überproduktion hatte jedoch einen Preissturz an der Börse zur Folge. Allerdings war dieser nur für Industriekunden sowie für Versorger im In- und Ausland relevant. So mussten Stromerzeuger Geld dafür zahlen, dass ihnen jemand die Energie abnahm, wie "t-online" berichtet.

Neues Jahr, neue Preise

Der Preisabsturz sei für Windanlagenbetreiber unerheblich. Wenn beispielsweise zu viel Strom produziert wird, werden diese von den Stromkunden entsprechend entschädigt, um die Netzstabilität aufrecht zu erhalten. So erhielten die Betreiber von Windanlagen im Jahr 2021 mehr als 800 Millionen Euro.

Anzeige
Anzeige

Dennoch sollen mehr als 600 Stromversorger zum neuen Jahr ihre Preise erhöht haben, wie die "Bild" weiter berichtet. So gab es Preissteigerungen von durchschnittlich 60 Prozent. Anbieter verlangen nun 44 Cent je Kilowattstunde (kWh) von ihren Neukunden, wie "t-online" unter Berufung auf das Vergleichsportal "Verivox" schreibt.

Der "MDR" bezieht sich auf das Vergleichsportal "Check24" und gibt an, dass im Januar von fast acht Millionen Haushalten der Strompreis in der Grundversorgung erhöht wurde.

Beruhigung Ende 2023 in Sicht?

"Das Bundeskartellamt prüft im Rahmen der Strompreisbremse, ob Preisanstiege tatsächlich durch höhere Beschaffungskosten oder Netzentgelte zu erklären sind" äußerte sich ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums gegenüber der "Bild". Zudem würde erwartet, dass die Strompreise in diesem Jahr tendenziell fallen und sich gegen Ende 2023 stabilisieren; womöglich aber nicht das Niveau von 2021 erreichen.

Kritik an der Erhöhung

Der "Bund der Energieverbraucher" allerdings kritisiert, dass die sinkenden Beschaffungskosten nicht an die Verbraucher weitergegeben würden. So sollten hohe Preise weiterhin kritisch hinterfragt werden. "Wir raten Verbrauchern, Widerspruch einzulegen", betonte Verbandschefin Leonora Holling gegenüber der "Bild".

Anzeige

Der aktuelle Strompreis habe mit der Gegenwart jedoch gar nicht so viel zu tun. "Wir rechnen da Monate und Jahre im Voraus. Der Strompreis, den unsere Kundschaft am 31. Dezember oder 1. Januar gezahlt hat, wurde schon vor zwei bis drei Jahren eingekauft. Dieses sogenannte Tranchen-Modell sorgt dafür, dass die Preise konstant sind und Ausreißer nach oben oder unten die Kunden nicht sofort treffen" kritisiert auch Martin Schreiber, Sprecher der Thüringer Energie AG (TEAG) gegenüber dem MDR. “Die ganz großen Ausschläge, die es durch den Ukraine-Krieg gegeben hat und schon vorher, die sind noch gar nicht voll eingeflossen", erklärt Schreiber weiter.

Strompreiserhöhungen müssten zunächst vier Wochen vor der eigentlichen Preiserhöhung angekündigt und zusätzlich transparent aufgeschlüsselt werden.

Mehr zum Thema
FDP-Finanzminister Lindner und Grünen-Wirtschaftsminister Habeck im Bundestag
News

Wegen Putins Energie-Krieg: Bundestag beschließt Preisbremsen

  • 15.12.2022
  • 14:42 Uhr

© 2023 Seven.One Entertainment Group