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Rücktritt gefordert

Hamburger Amoklauf: Ruf nach Konsequenzen wird laut

  • Veröffentlicht: 23.03.2023
  • 14:18 Uhr
  • Stefan Kendzia
Nach angeblichem Kommunikationsfehler in Sachen Amoklauf fordert die Opposition nun personelle Konsequenzen.
Nach angeblichem Kommunikationsfehler in Sachen Amoklauf fordert die Opposition nun personelle Konsequenzen.© Christian Charisius/dpa

Am 9. März tötete ein 35-jähriger Mann bei einer Gemeindeversammlung der Zeugen Jehovas in Hamburg sieben Menschen, verletzte neun Menschen und richtete sich im Anschluss selbst. Unter den Todesopfern befand sich auch ein ungeborenes Kind. Vor der Tat soll der Schütze laut NDR ein Buch mit wirren Inhalten veröffentlicht haben, das nun für Aufruhr sorgt. Die Opposition fordert jetzt Konsequenzen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Am 9. März tötete ein 35-jähriger Mann neun Menschen während einer Versammlung von Zeugen Jehovas in Hamburg.

  • Kurz vor dem schrecklichen Amoklauf soll der Todesschütze ein Buch mit wirren Inhalten im Internet veröffentlicht haben.

  • Dieses Buch ist nun Anlass dafür, dass CDU und Linke den Rücktritt des Polizeipräsidenten und des Innensenators fordern.

Kurz vor dem schrecklichen Amoklauf bei einer Gemeindeversammlung der Zeugen Jehovas soll der Todesschütze Philipp F. ein Buch im Internet veröffentlicht haben. Ein anonymer Hinweisgeber soll der Waffenbehörde das Manifest mit dem Namen "Die Wahrheit über Gott, Jesus Christus und Satan" gemeldet haben. Die Polizei jedoch behauptete, das Schriftstück über die Suchmaschine Google nicht gefunden zu haben. Eine Unwahrheit, wie sich herausstellen sollte. 

Im Video: Nach Amoktat von Hamburg: Wird Waffenrecht verschärft?

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Buchtitel alarmierte nicht

Kurz nach dem fürchterlichen Amoklauf in Hamburg-Alsterdorf teilte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer auf einer Landespressekonferenz mit, dass Beamt:innen das verdächtige Manifest im Internet zwar gesucht aber nicht gefunden hätten. Es spielte sich anders ab: In Wahrheit soll eine Beamtin den Buchtitel zwar gefunden - aber nichts weiter unternommen haben. Wohl auch deshalb, weil sie der Titel "nicht sonderlich alarmiert" hätte.

Die betreffende Beamtin, die sich aktuell im Krankenhaus befinden soll, erklärt ihr Verhalten im Zusammenhang mit dem Buch als das Ergebnis eines "Kommunikationsfehlers". Am Telefon sei sie laut NDR befragt worden, ob sie das Buch denn kenne. Da sie es nicht gelesen hatte, antwortete sie mit "nein". Ihren Buchfund allerdings erwähnte sie nicht. Polizeipräsident Meyer nahm daraufhin seine Mitarbeiterin in Schutz, in dem er angab, dass die derzeitige Gesetzeslage auch bei Kenntnis des Buches keinen sofortigen Waffenentzug bei Philipp F. erlaubt hätte. "Man hätte ihn dann anschreiben müssen, damit er sich selber ein fachpsychologisches Gutachten besorgt, so sieht es das Gesetz vor." Dafür hätte Philipp F. insgesamt vier Wochen Zeit gehabt, so Meyer. Allein den Titel habe die Waffenbehörde aber nicht als ausreichenden Hinweis bewertet, der Zweifel an der waffenrechtlichen Eignung und damit weitere Maßnahmen der Behörde hätten begründen können.

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Rücktritte gefordert

Andy Grote (SPD), Hamburgs Innensenator, kommentierte das Vorgehen: "Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass man sich dieses Buch besorgt, intensiv angeguckt und auch Experten vorgelegt hätte." Einen Rücktritt des Polizeipräsidenten lehnte dieser jedoch ab. Andere Stimmen sind aus der Opposition zu hören: CDU-Fraktionschef Dennis Thering fordert den Rücktritt des Innensenators ebenso wie die Linksfraktion.

Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) sagte der Linken-Innenexperte Deniz Celik: "Angesichts des anonymen Schreibens mit dem Hinweis auf den Hass des späteren Amokschützen auf die Zeugen Jehovas hätten bei dem Buchtitel dann nun wirklich alle Alarmglocken schrillen müssen." Weiter führte er an: "dass dies nicht geschehen sei, sei ein Versagen der Waffenbehörde, für das Meyer und Innensenator Andy Grote (SPD) die politische Verantwortung trügen und Konsequenzen ziehen müssten." Zudem habe Polizeipräsident Meyer "die Öffentlichkeit bewusst getäuscht oder er weiß nicht, was innerhalb der Polizei vor sich geht - so oder so ist er dadurch als Polizeipräsident nicht mehr tragbar".

Inzwischen liegen zwei Gutachten zu dem Buch vor. Diese kommen zu dem Schluss, dass es keine Hinweise auf eine Gewalttat enthält. Laut einem der Gutachter litt der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Persönlichkeitsstörung. Ein anderer Gutachter bescheinigte dem Täter laut "Spiegel" religiösen Fanatismus.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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