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Russland wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt

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Hochwasser-Katastrophe in Region Kurgan

Hochwasser in Russland: Fluten spülen radioaktives Material ins Trinkwasser

  • Aktualisiert: 24.04.2024
  • 17:30 Uhr
  • Kira Born
Russland, Ishim: Luftaufnahme eines überschwemmten Gebiets. Die Hochwassersituation in der russischen Region Tjumen bleibt angespannt, da der Wasserstand des Flusses Ischim 10,5 Meter überschritten hat.
Russland, Ishim: Luftaufnahme eines überschwemmten Gebiets. Die Hochwassersituation in der russischen Region Tjumen bleibt angespannt, da der Wasserstand des Flusses Ischim 10,5 Meter überschritten hat.© Sergei Rusanov/AP/dpa

Die Hochwasserlage im Süden des Landes verschärft sich weiter: Aus stillgelegten Uran-Minen gelangen hochgefährliche Stoffe in einen wichtigen Fluss. 

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Süden Russlands ist von einem historischen Hochwasser heimgesucht worden.

  • Besonders kritisch könnte die Siation in dem ehemaligen Uran-Abbaugebiet im sibirischen Gebiet Kurgan werden.

  • Aus ehemaligen Minen zur Uran-Gewinnung könnte radioaktives Wasser in Flüsse und in das Trinkwasser der Region gelangen.

Es ist ein Jahrhundert-Hochwasser, dass sich seit Anfang April im Süden Russland und Kasachstan ausbreitet. Nach letzten Informationen der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass standen bis zu 18.000 Häuser unter Wasser. Doch sind die Wassermassen nicht die einzige Bedrohung für die dort lebenden Menschen.

Atomphysiker Andrej Oscharowskij von der NGO "Sozial-Ökologische Union" schaut mit großer Sorge auf die im südöstlichen Ural liegende Region Kurgan. Auf Satelliten-Bildern und nach Angaben der Bevölkerung erreicht das Wasser einen Stand von etwa anderthalb Metern, sagte Oscharowskij "Tagesschau.de". Und genau dies bereitet dem Atomphysiker Sorge - in der Region befindet sich eine Vielzahl stillgelegter Uran-Minen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nun geflutet wurden.

"Dort befinden sich Brunnen. Brunnen eines Testbergbaus, der zu Sowjetzeiten irgendwann Mitte der 1980er Jahre angelegt wurde," sagte der Wissenschaftler am Mittwoch (24. April). Durch die Flutung und durch das überschwemmte Tiefland könnte radioaktives Material in die Trinkwasser-Versorgung gelangen.

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Russische Region Kurgan wird von belastetem Wasser überschwemmt

In der sibirischen Region wurde die sehr umstrittene unterirdische Methode des Uran-Abbaus angewandt. Von diesen Bohrungen nach Uran wurden besonders in der Region Kugan und der gleichnamigen Stadt, Hunderte durchgeführt, berichtet "Tagesschau.de".

Für die Umwelt ist diese Abbauform die Schädlichste. "Anstatt das Uran-Erz aus einer Tiefe von 400 Metern zu fördern und dann das Uran chemisch zu extrahieren, wurde dieser zweite Teil in den Untergrund verlagert", betonte Oscharowskij. Diese unter der Erdoberfläche liegenden Bohrungen seien zwar sehr günstig, jedoch setzte man darauf, dass der radioaktive Schlamm unter Tage bleibt und nicht austreten kann.

… mit meinen Messgeräten fand ich Stellen mit Verseuchungen rund um jedes Bohrloch, das ich dort finden konnte."

Andrej Oscharowskij, 2024

Doch wie erwartet, war dies nicht der Fall. Der Physiker beschreibt im Interview, dass er diverse stillgelegte Bohrlöcher vor Jahren untersucht habe. Das Ergebnis: Auch ohne Hochwasser würde radioaktive verseuchtes Wasser aus den Löchern austreten. "Denn es kam ja aus einem einstigen Testbergbau, in dem Uran mit Säure gelöst wurde. Und mit meinen Messgeräten fand ich Stellen mit Verseuchungen rund um jedes Bohrloch, das ich dort finden konnte."

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Irreversibler Schaden in der russischen Region?

Fakt ist: Die Region im Süden Russland wurde von einem historischen Wasser-Höchststand betroffen. Die besorgniserregende Situation sei jedoch von den Behörden lange falsch eingeschätzt worden, berichtet die dpa. In Kasachstan, wo es ähnliche Überschwemmungen gab, reagierten die Behörden hingegen schneller und evakuierten mehr als 100.000 Menschen in den betroffenen Landesteilen.  

Experte Oscharowskij bemängelt auch behördliche Fehleinschätzungen beim Austreten des radioaktiv verseuchten Wassers in den Fluss Tobol - dem Trinkwasserreservoir der Region Kugan. Allein in der gleichnamigen Großstadt leben 300.000 Menschen.

Jetzt sind diese Tieflandfelder, in denen in den 1980er-Jahren Uran abgebaut wurde, überflutet. Unweigerlich gelangt Uran in den Fluss.

Andrej Oscharowskij, 2024

Nun fließt 100 Kilometer entfernt der Stadt Uran-Salz in den Fluss. "Jetzt sind diese Tieflandfelder, in denen in den 1980er-Jahren Uran abgebaut wurde, überflutet. Unweigerlich gelangt Uran in den Fluss." Zwar werden sie durch die Vermischung mit dem Fluss verdünnt, jedoch seien die Salze hochgiftig und radioaktiv, erklärt Oscharowskij.

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Russlands Atomenergieagentur dementiert Gefahr durch Uran-Minen

Schon in der Vergangenheit wurden die Folgen des Uranbergbaus von Umweltschützer:innen kritisiert.  Atomphysiker Oscharowskij gibt an, dass die Menschen durch das Trinken des belasteten Wassers innerer Strahlung ausgesetzt werden können. Diese sei schädlicher als die von außen einwirkende radioaktive Strahlung.  "Aber wenn 10.000 Menschen dieses Wasser trinken, dann können mehrere Dutzend von ihnen gesundheitliche Probleme bekommen," sagt der Wissenschaftler.

Die russische Agentur für Atomenergie "Rosatom" dementiert die möglichen gesundheitlichen und umweltschädlichen Folgen der Uran-Gewinnung. In der Vergangenheit hatte die Behörde Kritik am Uran-Abbau als "Radiophiobie", eine Angst gegenüber Nukleartechnologien und eine Strahlenfeindlichkeit, abgetan. Wie sich das Austreten des radioaktiven Wassers auf die Region Kugan im Süden Russlands auswirken wird, bleibt zum jetzigen Stand abzuwarten.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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