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Flugzeugtür herausgebrochen

Nach Beinahe-Katastrophe bei Boeing steht fest: Es fehlten Befestigungsteile

  • Veröffentlicht: 07.02.2024
  • 13:59 Uhr
  • Lena Glöckner
Unfall-Ermittler: Beim Boeing-Zwischenfall fehlten Bolzen.
Unfall-Ermittler: Beim Boeing-Zwischenfall fehlten Bolzen.-/National Transportation Safety Board via AP/dpa

Nach dem Beinahe-Unglück einer Boeing 737-9 Max bestätigen erste Ermittlungen Vermutungen, dass Befestigungsteile nicht nur locker saßen, sondern komplett fehlten. Der Druck auf Boeing steigt.

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An dem jüngst herausgerissenen Rumpfteil einer Boeing 737-9 Max fehlten nach Erkenntnissen von US-Unfallermittler:innen zwingend vorgesehene Befestigungsteile. Der Zustand des Fragments und der anliegenden Rumpfelemente weise auf das Fehlen von vier Bolzen in einem Sicherungsmechanismus hin, teilte die Ermittlungsbehörde NTSB in einem vorläufigen Bericht am Dienstag (6. Februar) mit. Die Bolzen sollen eigentlich sicherstellen, dass sich das Rumpfteil nicht nach oben bewegen kann.

Die Feststellung der Ermittler:innen dürfte den Druck auf Boeing verstärken, die Qualitätskontrollen drastisch zu verbessern. Offizielle Schlussfolgerungen zur Ursache des dramatischen Zwischenfalls hat die NTSB bislang nicht gezogen.

Im Video: Nach Beinahe-Unglück - auch älteres Boeing 737-Modell im Visier der Behörden

Nach Beinahe-Katastrophe: Auch älteres Boeing 737-Modell im Visier der Behörden

Bei der so gut wie neuen 737-9 Max von Alaska Airlines mit mehr als 170 Menschen an Bord war am 5. Januar kurz nach dem Start im Steigflug ein Rumpfteil an der Sitzreihe 26 herausgebrochen. An dieser Stelle haben manche Konfigurationen des Typs mit mehr Sitzen eine Tür. Die betroffene Variante der 737-9 Max hat stattdessen eine Abdeckung, die die Öffnung verschließt. Bei dem Zwischenfall wurde niemand ernsthaft verletzt - durch einen glücklichen Zufall waren allerdings die beiden Plätze direkt an der nicht konfigurierten Tür leer geblieben.

Auch bei anderen Maschinen lose Befestigungsteile

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA und andere Behörden hatten nach dem Zwischenfall angeordnet, alle rund 170 ähnlichen Flugzeuge des Typs für Untersuchungen am Boden zu lassen. Alaska und United Airlines fanden auch bei anderen Maschinen lose Befestigungsteile an der Stelle des Rumpfs. Erst Ende Januar gab die FAA das Verfahren für Inspektionen frei, nach denen die Flugzeuge wieder starten durften. Bei EU-Fluggesellschaften sind keine Maschinen des betroffenen Modells im Einsatz.

Die FAA kündigte nach dem Vorfall verschärfte Kontrollen bei Boeing an - und einige Airlines wollen eigene Prüfer auf die Produktionslinien schicken. Boeing-Chef Dave Calhoun bestätigte nach dem vorläufigen NTSB-Bericht, dass der Konzern letztlich die Verantwortung für die Flugzeuge trage. Boeing versicherte, dass die Qualitätsaufsicht sofort verbessert werde. Die FAA hatte Boeing den geplanten Ausbau der 737-Produktion untersagt - der Konzern solle zunächst die Probleme in den Griff bekommen, so die Anweisung.

Der Rumpf der 737-Modelle wird vom Zulieferer Spirit Aerosystems gebaut und danach zur abschließenden Montage an Boeing weitergegeben. Nach Erkenntnissen der NTSB wurde das Rumpf-Fragment bei Boeing für Nacharbeiten gelöst. Auf einem Boeing-Foto ist das montierte Bauteil ohne die Bolzen zu sehen. Den Ermittler:innen zufolge deuten fehlende Schäden an den Halterungen der Bolzen darauf hin, dass diese während des Fluges fehlten.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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