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Verlage reagieren

Studie findet diskriminierende Inhalte in Schulbüchern

  • Veröffentlicht: 10.07.2023
  • 17:18 Uhr
  • Emre Bölükbasi
Nach den erschreckenden Studienergebnissen zu Bremer Schulbüchern haben zwei Verlage mitgeteilt, dass interne Prüfungen durchgeführt werden.
Nach den erschreckenden Studienergebnissen zu Bremer Schulbüchern haben zwei Verlage mitgeteilt, dass interne Prüfungen durchgeführt werden.© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit: Diese und weitere Diskriminierungsformen entdeckt eine Studie zu Schulbüchern in Bremen. Zwei Verlage kündigen nach den düsteren Studienergebnissen interne Prüfungen an.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie hat mehrere Bremer Schulbücher für neunte und zehnte Jahrgangsstufen näher unter die Lupe genommen.

  • Die Autorin entdeckte zahlreiche Diskriminierungsformen in den untersuchten Büchern.

  • Zwei Verlage reagieren und kündigen Prüfungen an.

Eine Kurzstudie zu Bremer Schulbüchern schlägt Alarm. "Die vorliegende Analyse zeigt, dass sich in fast allen untersuchten Schulbüchern implizit oder explizit antisemitische, rassistische, sinti- und romafeindliche, frauen- und queerfeindliche Inhalte und Abbildungen finden", fasst die exemplarische Begutachtung die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Zwei Verlage hätten bereits Prüfungen angekündigt, berichtete die Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Montag (10. Juli). Die untersuchten Bücher waren in den Verlagen Cornelsen, Westermann, Ernst Klett und Eduversum erschienen.

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Keine "diskriminierungssensible" Darstellung der Diskurse

Studienautorin Meral El monierte, dass mehrheitlich die Schulbücher diskriminierte Gruppen in einer Opfer-Rolle positionierten. Ansätze für eine "diskriminierungssensible" Darstellung der Gesellschaft und gesellschaftlicher Diskurse blieben "punktuell", kritisierte sie in ihrem Resümee.

Überlebende von Gewalt und Menschen mit Diskriminierungserfahrung sollten selbst zu Wort kommen, beispielsweise mit Zitaten, Interviews und Briefen, forderte die Kulturwissenschaftlerin. Die Autorin setzte sich in der Analyse mit dem Kolonialismus, dem Nationalsozialismus und dem Wirtschaftswunder auseinander.

Die Kurzstudie war von der Landeszentrale für politische Bildung Bremen umgesetzt worden. Zuvor hatte die Bremische Bürgerschaft die Landeszentrale gebeten, das Projekt anzugehen. Untersucht wurden geschichtliche Bücher aus dem Bereich Gesellschaft und Politik, die zwischen 2013 und 2020 erschienen sind. Die Lehrwerke richteten sich an neunte und zehnte Jahrgangsstufen.

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Interne Prüfungen bei zwei Verlagen

Ein Sprecher des Berliner Verlags Cornelsen kündigte eine sorgfältige Prüfung der Studienergebnisse an. Im Verlag bestehe intern bereits ein Netzwerk, das sich unter anderem mit Rassismus und ähnlichen Themen befasse und auch Leitfäden anbiete. Der Verlag habe zunächst nichts von der neuen Studie gewusst.

Die Sprecherin des Braunschweiger Verlags Westermann teilte mit, man bedauere, dass die Studie Passagen ausgemacht habe, welche sie als unter anderem diskriminierend bewertet. "Wir nehmen die Studienergebnisse sehr ernst und lassen sie jetzt durch unsere Fachredaktionen und unsere Autorinnen und Autoren prüfen und aufarbeiten", hieß es in der Stellungnahme.

Der Stuttgarter Ernst Klett Verlag begrüßte in einer Antwort die Studie. Der Verlag folge seit Jahren den in der Analyse formulierten Empfehlungen, teilte die Sprecherin mit. "Unsere Materialien werden in der Studie an vielen Stellen positiv erwähnt, aber wir bleiben selbstkritisch und stehen im fortwährenden Austausch mit den Fachwissenschaften und zivilgesellschaftlichen Institutionen", hieß es. Die Bildungsmedien überarbeite man fortlaufend. Die neue Studie sei dem Verlag zunächst nicht bekannt gewesen.

Vom Wiesbadener Verlag Eduversum lag keine Rückmeldung vor.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Landeszentrale für politische Bildung Bremen: Diskriminierungskritische Analyse von Schulbüchern im Land Bremen
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