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Entökonomisierung des Gesundheitswesens

Vorwurf von Laborärzten: Lauterbach will "Staatsmedizin" etablieren

  • Veröffentlicht: 07.06.2023
  • 17:05 Uhr
  • Stefan Kendzia
Gesundheitsminister Karl Lauterbach will den Einfluss der Ökonomie im Gesundheitswesen zurückdrängen - auch von privaten Investoren.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach will den Einfluss der Ökonomie im Gesundheitswesen zurückdrängen - auch von privaten Investoren. © Oliver Berg/dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist angetreten, um das Gesundheitssystem zu "entökonomisieren". Das sehen nicht alle positiv - von den Laborärzten muss sich Lauterbach den Vorwurf gefallen lassen, eine "Staatsmedizin" einführen zu wollen.

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Das Gesundheitssystem in Deutschland ist selbst erkrankt - sein Chef, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, sieht seine Aufgabe darin, es wieder auf zukunftsfähige Beine zu stellen. Erreichen will er das mit einer Reform, die allerdings nicht überall auf positive Reaktionen trifft. Jetzt werfen ihm Laborärzte gar vor, dass das deutsche System in eine "Staatsmedizin" münden würde.

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"Entökonomisierung" verhindert gute Medizin weiterzuentwickeln

Derzeit gibt es in Deutschland noch das System der Fallpauschalen. Diese führen dazu, dass Ärzte und Krankenhauspersonal unter hohem Druck arbeiten müssen, weil damit eine effizientere Verwendung der knapp bemessenen Mittel im Gesundheitssystem erzwungen werden sollte. Das wiederum führe zu Mängeln in der Krankenversorgung.

Nun will Lauterbach mit seiner Reform die "Entökonomisierung" des Gesundheitssystems vorantreiben. Die Pläne Lauterbachs sehen unter anderem vor, dass die Finanzierung der Kliniken künftig stärker über Vorhaltezahlungen für Personal und Technik erfolgt. Weniger über die bisherigen Fallpauschalen pro Patient. Für die einen hört sich das nachvollziehbar an. Für andere eher nicht - wie für den Chef des Laborärzteverbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller.

Müller hat die Befürchtung, dass Lauterbach Deutschland zu einer "Staatsmedizin" führe, in welcher der Gesundheitsminister selbst vorgebe, "wer zu beschäftigen ist und wie viel Geld dafür auszugeben ist", sagte Müller der "Ärzte Zeitung". Mit der sogenannten "Entökonomisierung" würde eine gute Weiterentwicklung der Medizin verhindert werden - schließlich brauche es laut Müller private Investoren im Gesundheitswesen, statt sie zu beschränken: Eine "dynamische Weiterentwicklung" der Medizin gebe es "nicht ohne privates Kapital", sagte er.

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