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US-Wahl

Parteien in Amerika: Darum spielen nur Republikaner und Demokraten eine Rolle 

  • Veröffentlicht: 26.06.2024
  • 05:00 Uhr
  • Claudia Frickel
In den USA haben zwei Parteien die Macht: die Demokraten, symbolisiert durch den Esel, und die Republikaner mit dem Elefanten als Maskottchen.
In den USA haben zwei Parteien die Macht: die Demokraten, symbolisiert durch den Esel, und die Republikaner mit dem Elefanten als Maskottchen.© PantherMedia / Cigdem Simsek

Demokraten und Republikaner sind die einzigen beiden Parteien, die in den USA eine Rolle spielen. Aber warum ist das so, und was ist mit den kleineren Parteien?

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Zwei Parteien in den USA: Das Wichtigste in Kürze zu Republikanern und Demokraten

  • Seit 1853 gehörten alle Präsidenten der USA entweder der Demokratischen Partei oder der Republikanischen Partei an - ohne Ausnahme. 

  • Dass diese beiden Parteien die US-Politik bestimmen, hat mit dem Wahlsystem des Landes zu tun. Es gibt keine proportionale Verteilung von Sitzen nach Stimmen.

  • Die 322 Millionen Einwohner:innen haben darum häufig nur die Wahl zwischen Kandidat:innen der dominierenden Parteien.

  • Kleine Parteien haben wenig Chancen. Sie existieren aber - zum Beispiel die Grünen (Green Party) oder die Liberalen (Libertarian Party). 

  • Das Zweiparteien-System etablierte sich erst nach der Gründung der USA - ursprünglich sollte es gar keine Parteien geben.

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Deshalb dominieren Republikaner und Demokraten in den USA

🗳 Das relative Mehrheitswahlrecht macht es kleinen Parteien in den USA beinahe unmöglich, in Senat oder Repräsentantenhaus einzuziehen. Wer die Mehrheit der Stimmen bekommt, bekommt den Sitz in einer der Kammern des Kongresses. Der Rest der Stimmen verfällt einfach.

⚖ In Deutschland dagegen gilt ein personalisiertes Verhältnis-Wahlsystem. Sitze im Bundestag werden bei der Zweitstimme proportional nach Anteil der Stimmen verteilt. Darum ziehen zusätzlich Kandidat:innen von Parteien ein, die nicht die meisten Stimmen haben. Nur bei der Erststimme gewinnt allein die Person mit der Mehrheit den Sitz.

🗺 Bei der Wahl des US-Präsidenten begünstigt das System mit Wahlmännern ebenfalls die beiden großen Parteien: Die mit der Mehrheit der Stimmen gewinnt alle Wahlmänner eines Staates. Diese wählen dann den Präsidenten. Auch hier gilt also das Mehrheitswahlsystem.

💰 Zudem bezahlen Parteien in den USA ihren Wahlkampf über Spenden. Für die kleinen Gruppen ist es schwierig, genug Geld dafür zu sammeln. In Deutschland wird der Wahlkampf staatlich finanziert.

Der Republikaner Donald Trump gewann die Wahl 2016, obwohl die Demokratin Hillary Clinton mehr Stimmen hatte.
Der Republikaner Donald Trump gewann die Wahl 2016, obwohl die Demokratin Hillary Clinton mehr Stimmen hatte.© IMAGO/HochZwei

USA: Wie kleine Parteien Einfluss nehmen 

🤔 Viele Wähler:innen in den USA wollen ihre Stimmen nicht "verschwenden", indem sie sie kleinen Parteien geben, die ohnehin keine Chance auf einen Sitz haben. Darum entscheiden sie sich in der Regel für eine der großen Gruppierungen.

✏ Aber das ist nicht immer so - und das kann die Ergebnisse der Wahl beeinflussen. Wenn kleineren Parteien oder Unabhängige Stimmen von Kandidat:innen abgreifen, ermöglichen sie mitunter den Sieg von deren Gegner:innen.

🧮 Das spielte 2016 bei der Wahl zwischen Hillary Clinton und Donald Trump eine Rolle: Die Kandidatin der Grünen hatte in ein paar Bundesstaaten mehr Stimmen, als Trump an Vorsprung gegenüber Clinton hatte. Das könnte zu Trumps Sieg beigetragen haben. Landesweit hatte Clinton mehr Stimmen als ihr Gegner, aber wegen des Wahlrechts verlor sie dennoch.

🗳 Ähnlich war es bei der Wahl im Jahr 2000. Ralph Nader war für die Grünen als Präsidentschafts-Kandidat angetreten und hatte in Florida rund 100.000 Stimmen erhalten. Die Wahlmaschinen in dem alles entscheidenden Bundesstaat versagten und die Wahlzettel mussten manuell ausgezählt werden.

✌ Nach wochenlangem Zählen stoppte der Oberste Gerichtshof den Vorgang. Der Republikaner George W. Bush wurde zum Wahlsieger erklärt - mit 537 Stimmen Vorsprung vor dem Demokraten Al Gore. Damit wurde Bush der neue US-Präsident. Viele Anhänger:innen der Demokraten waren sauer, dass Nader überhaupt angetreten war - sie glauben, dass er den Sieg von Bush ermöglichte.

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Vom Prinzip "keine Parteien" zu "nur zwei Parteien"

  • Die Verfassung der USA von 1787 schuf eine staatliche Ordnung, in der Parteien zunächst nicht vorkamen. Der erste Präsident George Washington war parteilos - und er sprach sich gegen politische Gruppen aus, weil sie zu einer Spaltung führen würden.
  • Stattdessen sollten seiner Meinung nach verschiedene Prinzipien für einen Ausgleich sorgen, etwa Gewaltenteilung oder die gegenseitige Kontrolle und gemeinsame Verantwortung von Regierung und Kongress-Kammern.
  • Allerdings hielt sich das parteilose System nicht lange. Schon um 1800 entstanden die ersten Gruppen, die sich landesweit organisierten. Zum ersten Mal weltweit ging die Regierungsgewalt mithilfe von Wahlen von einer Partei auf die andere über.
  • Die ersten US-Parteien waren Föderalisten und Demokratisch-Republikanische Partei, aus der sich später die Demokraten entwickelten.
  • Wichtig war Mitte des 19. Jahrhunderts die konservative Whig Partei - aber nur eine kurze Zeit lang. Sie stellte bis 1853 immerhin vier Präsidenten.
  • Seitdem hatten nur Angehörige der heute existierenden zwei großen Gruppierungen das Amt des Präsidenten inne: Die Demokratische Partei stellte 16 US-Präsidenten. 19 Staatschefs gehörten den Republikanern an.
US-Präsident Joe Biden gehört den Demokraten an.
US-Präsident Joe Biden gehört den Demokraten an.© IMAGO/MediaPunch

Welche weiteren Parteien gibt es in den USA?

🌎 Communist Party, Working Families Party oder American Independent Party: In den USA existieren viele weitere Parteien neben Demokraten und Republikanern. Einige von ihnen haben Sitze in Parlamenten von Bundesstaaten, etwa die Independent Party of Oregon.

🗳 Dazu kommen Parteien, die zwar in vielen Bundesstaaten aktiv sind und auf Wahlzetteln stehen, aber keinen Sitz in Landesparlamenten oder im Kongress besitzen.

🟢 Zu diesen zählen die drei größeren kleinen Parteien. Die Green Party besteht seit 2001. Sie setzt sich unter anderem für Klimaschutz ein - wie die Grünen in Deutschland.

🚗 Die 1971 gegründete Libertarian Party steht für Privatisierung. Viele öffentliche Bereiche wie Wirtschaft oder Verkehr will die Gruppierung dem freien Wettbewerb überlassen.

✝ Die Constitution Party ist christlich-nationalistisch und sieht sich als rechter als die Republikaner. Die 1992 gegründete Gruppierung will unter anderem Homosexualität und Abtreibungen verbieten.

💬 Weitere kleine Parteien sind zudem nur in einem oder mehreren Bundesstaaten aktiv, treten aber nicht zu Wahlen an.

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