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Psychologie

Süchtig nach Glücksspielen? Das sind die Anzeichen und Symptome

  • Aktualisiert: 19.05.2024
  • 04:26 Uhr
  • Claudia Frickel
Über 400.000 Menschen in Deutschland spielen Umfragen zufolge zwanghaft Glücksspiele. Ab wann das Spielverhalten als krankhaft gilt und wo Betroffene und Angehörige Hilfe finden, erfährst du hier.
Über 400.000 Menschen in Deutschland spielen Umfragen zufolge zwanghaft Glücksspiele. Ab wann das Spielverhalten als krankhaft gilt und wo Betroffene und Angehörige Hilfe finden, erfährst du hier.© AA+W - stock.adobe.com

Online-Poker, Roulette, Rubbel-Lose oder Lotto: Fast eine halbe Million Menschen in Deutschland gelten als spielsüchtig oder sind stark gefährdet. Aber was sind die Symptome und wo findest du Hilfe?

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Spielsucht: Das Wichtigste zum Thema

  • Spielsucht wird auch Glücksspiel-Sucht genannt. Betroffene schaffen es nicht, Glücksspielen zu widerstehen, sie zocken unkontrolliert immer weiter.

  • Betroffene und Angehörige sollten bei Anzeichen schnell Hilfsangebote von Beratungsstellen, medizinischem Fachpersonal oder auch Suchtkliniken wahrnehmen.

  • Knapp 430.000 Menschen in Deutschland (Stand 2021) sind entweder bereits süchtig nach Glücksspielen oder zumindest stark gefährdet

  • Womöglich liegt die Zahl der Betroffenen aufgrund der schwer abschätzbaren Dunkelziffer noch höher: Häufig werden Spielsüchtige erst erfasst, wenn sie Hilfe suchen.

Inhalt

Im Video: Das Milliardengeschäft mit dem Lottospiel

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Was ist Spielsucht eigentlich?

Spielsucht ist ein wiederkehrendes, krankhaftes Spielverhalten in Bezug auf Glücksspiele. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfasst "Pathologisches Glücksspiel" in ihrer internationalen Klassifikation von Krankheiten, ICD-11. Sie gehört dort zu den Verhaltenssüchten, so wie Kaufsucht oder Magersucht.

Glücksspiele sind alle Spiele, bei denen ganz oder größtenteils der Zufall über Sieg oder Niederlage entscheidet. Auf Ergebnisse haben Spieler:innen keinen oder wenig Einfluss. Das ist zum Beispiel beim Lotto oder bei Pferdewetten der Fall, aber auch an Einarmigen Banditen oder bei Rubbellosen und Würfel- oder Kartenspielen um Geld.

Die Betroffenen wollen bestimmte Emotionen fühlen, so wie das Glück beim Gewinnen - oder Alltagssorgen vergessen. Sie spielen so lange zwanghaft weiter, bis sie gewonnen haben. Kleine Gewinne zwischendurch ermutigen Spieler:innen, weiter vom Hauptgewinn zu träumen. Letztendlich gewinnt aber nur einer sicher: der Anbieter. Dabei geht immer mehr Geld drauf. Letztlich gewinnen aber nur die Anbieter:innen.

430.000 Menschen in Deutschland haben ein "problematisches" Glückspielverhalten, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Im Video: 10 Fragen an einen Spielsüchtigen

Glücksspiel-Sucht vs. Videospiel-Sucht: Was ist der Unterschied?

💻 Bei einer Videospiel- oder Computerspiel-Sucht zockt jemand exzessiv Games an Computer, Handy oder Spielkonsole. Sie ist ebenfalls als psychische Erkrankung im ICD-11 der WHO aufgeführt. Das "Pathologische Spielen" fällt ebenfalls unter Verhaltenssüchte.

🎮 Spieler:innen verlieren die Kontrolle darüber, wie lange und wie oft sie in die digitale Welt von Games abtauchen. Das Zocken hat höchste Priorität.

🎰 Bei der Glücksspiel-Sucht spielt jemand zwar auch. Dort steht allerdings das Glücksspiel an sich im Zentrum, nicht das Zocken digitaler Spiele.

💰 Die Übergänge zwischen den zwei Störungsbildern können auch fließend sein. So enthalten manche Games bestimmte Glücksspiel-Elemente, so wie Lootboxen. Bei In-Game-Käufen kannst du dann virtuelle Behälter mit zufälligen Inhalten kaufen.

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Statistiken zur Glücksspielsucht in Deutschland 

  • Angaben zum Glückspiel aus dem Jahr 2019 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
mindestens 1 Glücksspiel in den vorherigen 12 Monaten gespielt
mindestens 1 Glücksspiel in den vorherigen 12 Monaten gespielt© Galileo
Hauptmotive für das Glücksspielen
Hauptmotive für das Glücksspielen© Galileo
Finanzieller Einsatz
Finanzieller Einsatz © Galileo
Wie gut ist die Bevölkerung informiert?
Wie gut ist die Bevölkerung informiert?© Galileo
mindestens 1 Glücksspiel in den vorherigen 12 Monaten gespielt
Hauptmotive für das Glücksspielen
Finanzieller Einsatz
Wie gut ist die Bevölkerung informiert?

Spielsucht Symptome: Diese Anzeichen gibt es

💵 Jemand hat einen Drang zum Glücksspielen, und das mit dauernd steigenden Einsätzen.

😠 Süchtige sind unruhig und reizbar, wenn sie länger nicht spielen. Sie können zudem Schlafstörungen haben.

😰 Betroffene versuchen immer wieder erfolglos, das Glücksspiel unter Kontrolle zu bringen.

⌚ Sie spielen regelmäßig, auch wenn sie sich schlecht fühlen. Sie leiden oft unter Angst, Depressionen oder einem geringen Selbstwertgefühl. Viele Glücksspielsüchtige haben gleichzeitig auch ein Problem mit Alkohol.

💰 Abhängige spielen immer weiter, um Verluste wieder reinzuholen.

🤥 Sie verharmlosen das Glücksspiel, machen falsche Angaben zu Häufigkeit oder Dauer - und lügen.

👪 Abhängige vernachlässigen Familie, soziale Kontakte, Hobbys und die Arbeit. Oft können wichtige Beziehungen oder sogar der Job gefährdet sein.

💸 Sie können finanzielle Probleme nicht erklären, es verschwinden Wertgegenstände oder sie nehmen Geld von anderen, um weiterzuspielen oder Schulden zu bezahlen.

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Die drei Phasen einer Spielsucht

1️⃣ Anfangsstadium: Zu Beginn spielt jemand nur manchmal, um Nervenkitzel zu spüren. Beim Gewinnen wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Alltägliche Probleme sind zeitweise vergessen. Solche Unterhaltungs- oder Gelegenheits-Spieler:innen haben aber weiterhin Kontakte und Hobbys.

2️⃣ Gewöhnungsphase: Spieler:innen verlieren nach und nach die Kontrolle darüber, wie viel Geld sie verzocken und wie oft sie spielen. Glücksspiel wird eine regelmäßige Ablenkung im Alltag. Sie entwickeln oft ein surreales Denken und glauben, dass sie den Gewinn beeinflussen können. Außerdem sind sie reizbarer und angespannter und fangen an, Freund:innen und Job zu vernachlässigen.

3️⃣ Suchtstadium: Exzessiv- und Verzweiflungsspieler:innen haben sich an das Dopamin gewöhnt. Sie müssen immer mehr Risiken eingehen, um positive Gefühle und Nervenkitzel zu erleben. Sie haben die Kontrolle verloren, erhöhen die Einsätze oder spielen mehrere Spiele gleichzeitig. Die Schulden wachsen. Viele verlieren Job, Beziehung oder Freund:innen. Körperliche Symptome sind erkennbar, so wie Schwitzen oder Zittern.

Im Video: Das steckt hinter den Sportwetten-Imperien

Diagnose und Therapie: Wie behandelt und bekämpft man Spielsucht

Bist du dir nicht sicher, ob du spielsüchtig sein könntest? Der Online-Selbsttest Check dein Spiel der BZgA kann dir Hinweise liefern. Er ersetzt jedoch keine professionelle Diagnose. Darum solltest du unbedingt Arzt, Ärztin oder Psycholog:in aufsuchen.

Die Expert:innen diagnostizieren Glücksspiel-Sucht mithilfe von Fragen oder Fragebögen. Es müssen mehrere Kriterien zutreffen, die du oben unter den Anzeichen findest.

Behandelt wird die Erkrankung in der Regel mit einer Psychotherapie in einer Praxis oder Klinik. Es geht dann darum, die Ursachen der Spielsucht zu finden und die Auslöser zu bekämpfen. Traumatische Erlebnisse in der Kindheit sind beispielsweise Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen - auch Spielsucht.

Betroffene lernen in der Therapie, der Versuchung zu widerstehen. Zudem müssen sie den Umgang mit Geld üben und sozial eingegliedert werden. Ohne Therapie kannst du Spielsucht kaum bekämpfen.

Heilbar ist eine Spielsucht nicht. Du kannst die Abhängigkeit aber mit professioneller Hilfe behandeln, sodass du nicht rückfällig wirst. Dafür ist wichtig, dass du nie mehr bei Glücksspielen mitmachen darfst, um nicht wieder in den Teufelskreis zu geraten - so wie Alkoholiker:innen keinen Alkohol mehr anrühren dürfen.

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So kannst du einer Spielsucht vorbeugen

🎰 Du kannst nicht spielsüchtig werden, wenn du gar nicht erst anfängst und am Roulette-Tisch Platz nimmst, online pokerst oder den Einarmigen Banditen bedienst.

⌛ Willst du trotzdem gelegentlich spielen, setze dir unbedingt vorher Limits: So viel Zeit und Geld willst du maximal investieren.

🪙 Leihe dir kein Geld von anderen und bezahle nur mit Bargeld, nicht mit Karte.

😥 Spiele nur zusammen mit anderen und auf keinen Fall allein, wenn es dir nicht gut geht.

💏 Achte darauf, dass das Glücksspiel niemals wichtiger ist als Freund:innen, Familie, Job oder Hobbys.

Glücksspiel-Sucht: So kannst du Betroffenen helfen

  • Du hast den Verdacht, dass eine:e Freundin oder ein Familienmitglied spielsüchtig ist? Sprich die Person direkt auf die Sucht an. Es hilft nichts, das Thema zu vertuschen oder zu verheimlichen.
  • Begleite deine:n Freund:in zu einer Beratungsstelle. Gehe zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.
  • Spieler:innen müssen erkennen und einsehen, dass sie krank sind. Verurteile sie aber nicht.
  • Leihe Spielsüchtigen kein Geld und zahle keine Schulden zurück. Achte darauf, dass sie keinen Zugriff auf Sparbücher oder gemeinsame Konten haben.

Hier bekommst du weitere Hilfe und Beratung

  • Stellst du bei dir oder bei Bekannten Anzeichen fest, kannst du die kostenlose und anonyme Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung anrufen: 0800 - 1 37 27 00.
  • Auf der Webseite der Bundeszentrale stehen weiterführende Infos zu Glücksspielsucht.
  • Weiterhelfen können zudem Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige.
  • In der kostenlosen PDF-Broschüre "Verzockt" findest du Informationen zur Spielsucht für Jugendliche.

Häufige Fragen zur Spielsucht

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