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Weiße Ameisen

Termiten: Darum bauen sie Riesenhügel und züchten sogar Pilze

  • Veröffentlicht: 24.04.2024
  • 05:00 Uhr
  • Claudia Frickel
Kleine Termiten sitzen auf Holz.
Kleine Termiten sitzen auf Holz.© Vinicius Rodrigues de Souza

Sie sind winzig, aber können trotzdem Großes erschaffen: Termiten errichten mit Millionen Artgenossen meterhohe Bauten. Darin züchten sie mitunter sogar Pilze. Was die Tiere außerdem noch so besonders macht und welche Arten ganze Holzhäuser fressen können.

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Termiten: Das Wichtigste zu den Insekten

  • Termiten sind kleine Insekten, die meist in tropischen und subtropischen Regionen leben. Einige Arten sind in Europa daheim. In Deutschland wurden wenige Gruppen eingeschleppt. 

  • Die Tiere heißen auch weiße Ameisen. Mit den Insekten sind sie aber nicht verwandt, sondern mit Schaben und Gottesanbeterinnen. Wie Ameisen leben sie in riesigen Kolonien.

  • Ein Termitenstaat betreibt wie Ameisen, Bienen und Wespen Arbeitsteilung in einem ausgeklügelten sozialen System. 

  • Termiten sind gefürchtet, weil sich einige Arten von Holz ernähren. Andere fressen allerdings Gras, Humus und Pilze, die sie selbst anbauen.

Inhalt

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Alles zu Termiten auf einen Blick

Fakten zu Termiten
Fakten zu Termiten© Galileo

Der Termiten-Steckbrief

Wissenschaftlicher Name: Isoptera

Klasse: Insekten

Ordnung: Schaben

Lebensraum: fast überall auf der Welt, vorwiegend in den Tropen und Subtropen von Südamerika, Afrika und Asien

Größe: überwiegend 2 bis 20 Millimeter

Farbe: weiß oder weiß-gelb

Lebenserwartung: zwischen wenigen Monaten und zehn Jahren

Nahrung: totes Holz, Zellulose, Blätter, Gräser, Humus, Pilze

Feinde: Ameisenbären, Schimpansen, Ameisen, Vögel, Skorpione, Frösche, Kröten, Spinnen und viele andere

Aktueller Bestand: nicht gefährdet

Tierische Baumeister: So genial arbeiten Ameisen, Bieber und Co.

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Was sind Termiten eigentlich?

📆 Termiten sind die ältesten Insekten, die Staaten bilden - und mindestens 30 Millionen Jahre älter als Hautflügler, zu denen Ameisen, Bienen und Wespen zählen.

🦖 Die Vorfahren von Termiten krabbelten schon im Jura umher, also vor ungefähr 200 bis 145 Millionen Jahren. In dieser Zeit lebten auch Dinosaurier und der Superkontinent Pangäa zerbrach.

🧮 Es gibt fast 3.000 Arten von Termiten in neun Familien. Allen gemeinsam ist, dass sie in großen Gruppen zusammenleben.

👃 Artgenossen können miteinander kommunizieren - über den Geruch. Mithilfe von Duftdrüsen produzieren sie verschiedene Signale. 

⚖ Termiten und Ameisen machen zusammen nur ein Prozent aller Insekten aus. Aber weil es jeweils so viele Exemplare gibt, bilden sie gemeinsam die Hälfte der gesamten Insekten-Biomasse.

Eine Ameise frisst eine Termite. Hier ist gut der unterschiedliche Körper zu erkennen - Ameisen sind dunkel und haben einen eingeschnürten Leib.
Eine Ameise frisst eine Termite. Hier ist gut der unterschiedliche Körper zu erkennen - Ameisen sind dunkel und haben einen eingeschnürten Leib.© IMAGO/Cover-Images

Wie sehen Termiten aus und was unterscheidet sie von Ameisen?

🐜 Auf den ersten Blick erinnern Termiten an Ameisen: Sie haben drei Beinpaare, einen Kopf mit Fühlern sowie einen länglichen Körper.

⚪ Sie gehören aber zu unterschiedlichen Tier-Ordnungen, die ganz anders aussehen. Ameisen sind schwarz, während Termiten weiß oder gelblich-weiß gefärbt sind. Außerdem ist bei Ameisen der Hinterleib eingeschnürt.

📏 Termiten messen je nach Art meist zwischen zwei Millimeter und zwei Zentimeter, also maximal so viel wie zwei Fingernägel. Königinnenkönnen aber sogar bis 14 Zentimeter sein.

🛡 Der Chitin-Panzer von Termiten ist anders als bei vielen Insekten eher weich. Weil sie vorwiegend in ihrem Bau leben, kommen sie ohne den zusätzlichen Schutz aus.

👁 Die Tiere teilen sich in unterschiedliche Gruppen ein. Nur diejenigen, die sich fortpflanzen, haben Augen - alle anderen sind blind. Obendrein sind nur sie mit Flügeln ausgestattet, jedenfalls zeitweise.

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Hier bauen Termiten einen Hügel - im Zeitraffer

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Wie Termiten leben und sich ihre Aufgaben teilen

🔍 Termiten sind niemals allein: Die sozialen Insekten tun sich mit tausenden oder Millionen Artgenossen zusammen. Dabei entwickeln sie ein ausgeklügeltes soziales Miteinander mit drei Kasten, die jeweils spezialisierte Rollen innehaben.

👶 Wer in welche Kaste gehört, wird durch die Geburt entschieden. Die verschiedenen Aufgaben übernehmen jeweils beide Geschlechter.

💑 Ein Pärchen ist für die Fortpflanzung zuständig. Königin und König sind größer als die anderen und leben in einer eigenen Zelle im Bau. Da das Weibchen immer wieder begattet wird, darf das Männchen anders als bei Ameisen am Leben bleiben. 

⛏ Die Arbeiter-Kaste der Termiten erledigt unterschiedliche Aufgaben. Einige kümmern sich um die Brut, andere erweitern und reparieren den Bau, wieder andere beschaffen Nahrung. 

⚔ Soldaten bewachen und beschützen den Bau. Sie besitzen einen quadratischen, großen Kopf mit starkem Kiefer. Mit ihren Zähnen können sie Feinde abwehren - etwa Ameisen oder Menschenhände. Einige Arten lähmen Angreifer mit einer klebrigen Substanz, die sie aus Drüsen am Kopf spritzen.

Termitenhügel können mehrere Meter hoch sein.
Termitenhügel können mehrere Meter hoch sein.© IMAGO/imagebroker
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Die riesigen Hügel der weißen Ameisen

🌳Termiten errichten unterschiedliche Arten von Bauten, in denen sie leben und brüten. Etliche Arten legen Nester in Baumstämmen an. Sie bestehen aus zerkautem Holz. Tunnelartige Galerien führen am Stamm entlang zum Boden. Andere Arten graben unterirdische Nester in die Erde. 

🏰 Am auffälligsten sind jedoch die großen und stabilen Hügel, die viele Termiten bauen. Sie können die Form von Kuppeln, Pyramiden oder Säulen haben, und teilweise mehrere Türme und Spitzen enthalten.

💧Die Außenwände der aus Speichel und Erde bestehenden Gebilde sind sehr fest, um Feinde fernzuhalten. Im Inneren befinden sich hunderte Gänge und Zellen. In letzteren wachsen die Larven heran oder es wird Futter gelagert.

👷Manche Termiten konstruieren bis zu acht Meter hohe und 25 Meter breite Bauten. Sie können durch unterirdische Gänge verbunden und mit Erdnestern erweitert werden. 

🌡️Ein ausgefeiltes Belüftungssystem mit Schächten stellt sicher, dass im Inneren frische Luft verfügbar ist, sowie Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant bleiben.

Termiten bauen nicht nur Hügel, sondern errichten auch Nester in Bäumen.
Termiten bauen nicht nur Hügel, sondern errichten auch Nester in Bäumen.© IMAGO/imagebroker

Lebensraum: Wo die Insekten umherkrabbeln 

  • Termiten leben auf allen Kontinenten, nur nicht auf Antarktika in der Antarktis. Die meisten finden sich in heißen und warmen Regionen von Asien, Afrika und Südamerika.
  • Die Tiere bevorzugen Regenwälder, sind aber ebenfalls in Savannen zu finden.
  • In Europa gibt es nur zehn einheimische Arten der Insekten. Dazu kommen einige eingeschleppte Arten.
  • In manchen Gebieten Afrikas stehen tausende und mehr Termitenhügel. Allein 1,1 Millionen aktiv benutzte Behausungen finden sich im Norden des Kruger-Nationalparks in Südafrika.

Im Video: Die Superkräfte der Ameise

Die Nahrung von Termiten: Holz, Gras - und selbstgezüchtete Pilze

🪵Termiten ernähren sich häufig ausschließlich von totem oder hartem, trockenem Holz. Sie werden "niedere Termiten" genannt.

🍃"Höhere Termiten" dagegen haben es nicht auf Holz abgesehen, sie fressen ZelluloseGras, Humus, Blätter und Kot.

🍄 Eine Unterfamilie der Termiten hat eine besondere Strategie entwickelt, um an Nahrung zu gelangen: Sie züchten Pilze - und das innerhalb ihrer Bauten. Damit diese wachsen, werden sie mit Ausscheidungen gedüngt.

🦠Im Verdauungssystem von Termiten finden sich einige Mikro-Organismen und Bakterien, die es sonst nirgendwo auf der Erde gibt. Weil die Insekten Holz nicht verdauen können, benötigen sie die Hilfe der Kleinstlebewesen.

Termitenhügel mit mehreren Türmen
Termitenhügel mit mehreren Türmen© IMAGO/imagebroker

Fortpflanzung: Der Lebenszyklus von Termiten

👫 Ein geflügeltes Weibchen und ein geflügeltes Männchen gründen bei den Termiten ein neues Nest. Die beiden kommen nach einem Hochzeitsflug zusammen - und werfen danach ihre Flügel ab.

🫅Sie paaren sich und bauen eine Hochzeits-Kammer. Sie bleiben als Königin und König ihr Leben lang zusammen, verlassen aber das Nest in der Regel nicht mehr. Diese Tiere können zehn Jahre und älter werden.

🥚 Die Königin legt anfangs zehn bis 20 Eier pro Tag. Die Zahl steigt, je älter sie wird. Ist sie erwachsen, können es bis zu 40.000 Eier sein - jeden Tag! Häufig ist ihr Hinterleib so geschwollen, dass sie sich nicht mehr bewegen kann.

🐛 Aus den walzenförmigen Eier schlüpfen Larven. Diese müssen sich mehrfach häuten, um zu Termiten heranzuwachsen. Arbeiter und Soldaten werden bei Termiten oft nur wenige Monate alt.

Die großen Hügel von Termiten sind schon von weitem gut zu erkennen.
Die großen Hügel von Termiten sind schon von weitem gut zu erkennen.© imago images/imagebroker

Sind Termiten nützlich oder gefährlich?

🛖 Termiten ernähren sich oft von Holz: Sie zerkauen das Material mit ihren Mundwerkzeugen. Damit können sie sich sogar Pfosten, Brücken oder Häuser aus Holz zerstören. Darum sind die Insekten bei vielen Menschen gefürchtet. Allerdings richten nur rund 80 Arten ernsthafte Schäden an.

🐒 Aber die Insekten sind gleichzeitig nützlich. Sie stellen eine eiweißreiche Nahrungsquelle für zahlreiche andere Tiere dar. Ameisenbären holen Termiten mit ihren langen Zungen aus den Gängen. Schimpansen angeln sie mit Stöcken. Zudem werden sie von Fröschen, Erdwölfen, Vögeln, Ameisen, Spinnen und Fledermäusen vertilgt.

🍽 Die Königin und der König stehen zudem auf dem Speiseplan einiger eingeborener Völker in Afrika und Südamerika.

💧 Termiten spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem - unter anderem, weil sie organisches Material zersetzen. Mit ihren Gängen sorgen sie obendrein für eine Belüftung des Erdbodens und Regenwasser kann besser fließen. Das hält die Erde feucht.

Ein Ameisenbär sucht Termiten. Mit seinen Klauen kann er die Bauten zerstören und dann die Insekten mit dem Rüssel heraussaugen.
Ein Ameisenbär sucht Termiten. Mit seinen Klauen kann er die Bauten zerstören und dann die Insekten mit dem Rüssel heraussaugen.© IMAGO/SuperStock

Gibt es Termiten in Deutschland?

  • Von den zehn europäischen Termiten-Arten lebt keine in Deutschland.
  • Ab und zu werden Arten eingeschleppt, meist beim Holztransport. In den 30er-Jahren machte sich eine ganze Kolonie im Hamburger Hafen breit. Sie lebten dort in Bauholz. Bis heute sind Kolonien in einigen Vierteln der Stadt zu finden.
  • Vereinzelte Gruppen wurden in Berlin, Brandenburg und bei Aachen entdeckt. Ausgebreitet hat sich davon keine.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass das in Zukunft passiert. Die Tiere sterben, wenn die Temperatur einige Tage unter 0 Grad Celsius liegt. 

Häufige Fragen zu Termiten

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