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Fantastischer Fund

Berliner Sensation: 40.000 Jahre alter Klebstoff entdeckt

  • Veröffentlicht: 22.02.2024
  • 15:07 Uhr
  • Stefan Kendzia
Sensationsfund in Berliner Museum: Über 40.000 Jahre alter Klebstoff auf eingelagerten Steinwerkzeugen entdeckt. (Symbolbild)
Sensationsfund in Berliner Museum: Über 40.000 Jahre alter Klebstoff auf eingelagerten Steinwerkzeugen entdeckt. (Symbolbild)© Adobe

Berlin ist um eine neue Attraktion reicher - obwohl sie mehr als 40.000 Jahre alt sein soll: Klebstoff aus der Zeit der Neandertaler. Die Klebereste konnten auf Steinwerkzeugen festgestellt werden, die seit den 1960er-Jahren verpackt im Museum eingelagert waren.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Im Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin ist ein Sensationsfund gelungen.

  • Auf Steinwerkzeugen von Neandertalern konnten Klebstoffreste nachgewiesen werden, die über 40.000 Jahre alt sind.

  • Die Herstellung und der Gebrauch von Klebstoffen aus zwei Komponenten setzen Denkprozesse voraus, die bisher nur von frühen modernen Menschen in Afrika bekannt waren.

Die Neandertaler sind immer für eine Überraschung gut. Dass sie seinerzeit Klebstoffe verwendet haben, war bekannt. Dass sie damals aber schon Zweikomponentenkleber verwendet haben, ist eine Sensation. Reste dieses Klebstoffes sind nun im Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin entdeckt worden.

Im Video: Mysteriöser Schädelfund - Forscher entdecken unbekannte menschliche Spezies

Zweikomponentenkleber aus Ocker und Bitumen

Die Pressemitteilung der Sammlung des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin teilt einen Sensationsfund im eigenen Haus mit: Entdeckt wurden Reste eines Klebstoffs, den Neandertaler vor über 40.000 Jahren verwendet haben sollen. Noch besonderer ist die Nachricht, dass es sich dabei um einen Zweikomponentenkleber aus Ocker und Bitumen handelt. Dies biete "Einblicke in die kognitiven Fähigkeiten der Neandertaler, die lange unterschätzt worden sind", wie das Museum mitteilt. 

Die Klebereste sind jetzt auf mehreren Steinwerkzeugen wie Abschlägen, Schabern und Klingen entdeckt worden, die seit den 1960er-Jahren verpackt eingelagert waren. Der Kleber diente dazu, Werkzeuge aus Stein mit Griffen zu verbinden. "Die Entwicklung von Klebstoffen und deren Einsatz für die Herstellung von Werkzeugen gelten als einer der besten materiellen Belege für die kulturelle Evolution und die kognitiven Fähigkeiten früher Menschen", ist in der Pressemitteilung zu lesen. Die Studie dazu wurde in der Fachzeitschrift "Science Advances" veröffentlicht.

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Für die Herstellung des Klebers waren mehrere Denkprozesse notwendig

Bemerkenswert an dem Fund ist, dass die Neandertaler einen Zweikomponentenkleber aus Bitumen und Ocker verwendeten. Das setzt ein genaues Wissen um das Mischungsverhältnis voraus. Nur wenn das stimmt, kann die gewünschte Klebewirkung erzielt werden. Eine zusätzliche Hürde für diesen Kleber, die von den Neandertalern genommen wurde: Die beiden Substanzen gab es nicht in nächster Nähe zum Fundort der Steinwerkzeuge. Dieser war in Le Moustier im Südwesten Frankreichs. Sowohl für Bitumen als auch für Ocker mussten die Neandertaler mindestens 200 Kilometer weit gehen, um die beiden Komponenten überhaupt finden und im Anschluss mischen zu können. Das bedeutet einen großen Aufwand, erfordert Planung und eine gezielte Vorgehensweise. Dazu waren Denkprozesse notwendig, die von Affen so nicht geleistet werden können.

Die Nutzung von Mehrkomponentenklebern aus unterschiedlichsten Substanzen war bisher nur vom frühen modernen Menschen bekannt, dem Homo sapiens in Afrika. "Solche technologischen Entwicklungen und das Verständnis für Materialeigenschaften wurden auch als erster Ausdruck umfassender kognitiver Prozesse der Menschen betrachtet, die unserer heutigen Denkweise bei industriellen Prozessen entsprechen", so Dr. Patrick Schmidt aus der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen.

Geplant sei nun, dass die Funde mit den Kleberesten in die Dauerausstellung zur Steinzeit im Neuen Museum integriert werden. Aktuell ist dort unter anderem ein Schädel eines jugendlichen Neandertalers zu bewundern.

  • Verwendete Quellen:
  • Museum für Vor- und Frühgeschichte, Berlin: Pressemitteilung "Sensationsfund in Berliner Museumssammlung: Über 40.000 Jahre alter Klebstoff entdeckt"
  • Science Advances: "Ochre-based compound adhesives at the Mousterian type-site document complex cognition and high investment"
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