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Chroniken des Mittelalters

Mit Mondfinsternissen Vulkanausbrüchen auf der Spur

  • Aktualisiert: 11.04.2023
  • 07:19 Uhr
  • Stefan Kendzia
Forschende der Universität Genf nutzen Chroniken des Mittelalters, um Vulkanausbrüche zu datieren und deren Auswirkungen auf das Klima abzuschätzen.
Forschende der Universität Genf nutzen Chroniken des Mittelalters, um Vulkanausbrüche zu datieren und deren Auswirkungen auf das Klima abzuschätzen.© Budi Siswanto/XinHua/dpa

Vulkanausbrüche haben und hatten immer Auswirkungen auf das Erdklima. Dabei kommt es auch auf die Intensität eines Ausbruchs an. Forschende der Universität Genf haben jetzt Dank mittelalterlicher Aufzeichnungen interessante Einblicke in unser Klima gewinnen können.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Wissenschaftler:innen der Universität Genf nutzen das Mittelalter, um das Erdklima verstehen zu können.

  • Gelehrten im Mittelalter hielten in Chroniken wichtige Ereignisse fest, die auch heute noch von großer Bedeutung sind - auch für das Klima.

  • Diese Methode liefert Antworten, warum es zu Beginn des 15. Jahrhunderts bis zum 19. Jahrhundert zu einer Kleinen Eiszeit gekommen sein könnte.

Wissenschaftler:innen der Universität Genf konnten ihre Hypothese bestätigen und zeigen, dass Vulkanausbrüche und die damit verbundenen Gase das Erdklima nachhaltig beeinflussen beziehungsweise abkühlen. Die eindrucksvollen Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Im Video: Menschen evakuiert: Vulkan in Kolumbien kurz vor Ausbruch

Die Chroniken des Mittelalters

Die Mönche des Mittelalters waren äußerst fleißig: Ob Hungersnöte, Krönungen, Krankheiten - unendlich viele wichtige Ereignisse hielten die Gelehrten in Chroniken fest, die auch heute noch von großer Bedeutung sind, wie Forschende der Universität Genf nun belegen: Sie durchforsteten historische Aufzeichnungen mit dem Ziel, die Auswirkungen von Vulkanausbrüchen auf das Klima abzuschätzen zu können. Große Hilfe sollten speziell Mondfinsternisse sein, die in Chroniken im Detail beschrieben waren.

Zwischen 1100 und 1300 soll es 64 Mondfinsternisse gegeben haben, die verzeichnet wurden. Gleichzeitig war diese Zeit eine der vulkanisch aktivsten Perioden der jüngeren Erdgeschichte, so "Welt der Physik". Je nach Stärke und Zeitpunkt beeinflussten die Vulkanausbrüche, wie gut der Mond im Schatten der Erde sichtbar war. Erschien der Mond rötlich, waren wenige Aerosole in der Atmosphäre verteilt. War er deutlich verdunkelt, befand sich eine hohe Konzentration an Schwefeldioxid in der Atmosphöre, was für einen starken Vulkanausbruch sprach. Aber auch die Jahreszeit selbst beeinflusste die Verteilung des vulkanischen Staubs und damit die Abkühlung des Klimas, so Sébastien Guillet von der Universität Genf.

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Ursachen für die Kleine Eiszeit

Insgesamt fanden die Forscher:innen 51 Mondfinsternisse und 15 damit verbundene Vulkanausbrüche, die es wert waren, untersucht zu werden. Mit den Beschreibungen in den Chroniken ließen sich die Datierung der Ausbrüche dann verfeinern. Fünf der Vulkanausbrüche sollen laut Chroniken für besonders dunkle Mondfinsternisse gesorgt haben - durch Aerosole, die bis in die Stratosphäre in rund 15 bis 50 Kilometern Höhe geschleudert sein worden mussten. Denn genau da wirkten sich die Aerosole stärker auf das Klima aus und führten zu einer spürbaren Abkühlung, indem sie einstrahlendes Sonnenlicht absorbierten.

Bisherige Methoden, das Erdklima und die Ursachen dafür zu analysieren, werden durch das Betrachten von Vulkanausbrüchen anhand mittelalterlicher Chroniken hervorragend ergänzt. Gerade das Hochmittelalter ist eine ganz besonders interessante Zeit - denn die ausgestoßenen Aerosole werden neben einer nachlassenden Sonnenaktivität als eine Ursache für die Kleine Eiszeit vom Beginn des 15. Jahrhunderts bis zum 19. Jahrhundert angesehen.

  • Verwendete Quellen:
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