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Recherche deckt auf

 Corona-PCR-Tests: Hinweise auf Milliarden-Verschwendung?

  • Aktualisiert: 09.01.2023
  • 20:14
  • Clarissa Yigit

Rund sechs Milliarden Euro wurden für PCR-Tests ausgegeben - offenbar mehr, als eigentlich nötig gewesen wären. Nach Recherchen von WDR, NDR und SZ hätten Krankenkassen und der Bund wohl Milliarden an Kosten sparen können.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Rund sechs Milliarden Euro haben die Krankenkassen und der Bund für PCR-Tests ausgegeben.

  • Im Jahr 2020 wurden die Kosten für einen PCR-Test auf 59 Euro festgelegt.

  • Recherchen von WDR, NDR und SZ haben allerdings ergeben, dass dieser Preis nicht so hoch hätte sein müssen.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie wurden in den vergangenen Jahren PCR-Tests unerlässlich. Durch die Vielzahl der durchgeführten Tests entstanden dabei Kosten von mehreren Milliarden Euro - und offenbar mehr, als eigentlich nötig. Das haben Recherchen vom WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) ergeben.

Krankenkassen und Staat hätten demnach mehr als sechs Milliarden Euro für PCR-Tests ausgegeben. Dies sei deutlich mehr Geld als erforderlich, so das Ergebnis der Recherche, bei der rund 1.000 Seiten interner Akten aus dem Gesundheits- und Wirtschaftsministerium ausgewertet wurden. 

Fragwürdige Preiskalkulationen

Dabei gehe es vor allem um fragwürdige Preiskalkulationen. Mit diesen hätten Ärztefunktionäre hohe Erstattungspreise für die Labore ausgehandelt, etwa weil Materialkosten dafür zu hoch veranschlagt wurden. Tatsächliche Marktpreise habe "allem Anschein nach" das damals von Jens Spahn (CDU) geführte Ministerium nicht ermittelt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

So hätte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Krankenkassen im Januar 2020 vorgeschlagen, die Kosten für einen PCR-Test auf 59 Euro festzulegen. Sie orientierten sich damals am Preis für einen vergleichsweise seltenen Hepatitis-Test. Ein PCR-Test für Influenza- oder RS-Viren sei dagegen mit 19,90 Euro vergütet worden, schreibt die "Tagesschau". 

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Reagenzien und Materialien waren angeblich knapp

Wie die KBV angegeben habe, seien zu Beginn der Pandemie erhebliche Marktengpässe bei Reagenzien und Materialien aufgetreten, die zu einem langfristig hohen Preisniveau beigetragen hätten. Das Robert Koch-Institut gab hingegen an, dass zu dieser Zeit lediglich 30 von 170 Laboren über Knappheit geklagt hätten. Zudem seien die Kapazitäten in den Laboren in diesen Wochen stark ausgebaut worden.

Tino Sorge, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, verteidigte die Finanzierung von teuren PCR-Tests in der Corona-Pandemie am Montag (9. Januar) im Deutschlandfunk. "Es ist halt immer leicht im Nachhinein zu sagen, was man vorher hätte besser machen können", so der Politiker. Man habe zu Beginn der Pandemie noch nicht viel über das Virus gewusst, es sei darum gegangen, schnell und viel zu testen. Testkapazitäten mussten geschaffen werden und Akteure animiert werden, diese Tests anzubieten und durchzuführen. "Und dass man da sicherlich auch anders oder günstiger hätte vergüten können, im Nachgang zeigt sich das jetzt."

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