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Zuwanderung allein hilft nicht

Kommt die "Ära schrumpfenden Wohlstandes"? Was es jetzt zu tun gilt

  • Veröffentlicht: 23.01.2023
  • 16:28 Uhr
  • Lena Glöckner
Die staatliche Förderbank KfW sieht ernste Bedrohungen für den deutschen Wohlstand.
Die staatliche Förderbank KfW sieht ernste Bedrohungen für den deutschen Wohlstand.© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Erst Corona, dann die Folgen des Ukraine-Kriegs, obendrein der Fachkräftemangel - die KfW sieht eine "Ära des schrumpfenden Wohlstands" auf uns zukommen. Was wir dagegen tun können. 

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Förderbank KfW sieht eine "Ära des schrumpfenden Wohlstands" auf Deutschland zurollen.

  • Um dagegen zu wirken, gilt es nun, das Problem Fachkräftemangel zu lösen.

  • Arbeit müsse produktiver, Innovationen gefördert werden. Und die Erwerbsbeteiligung von älteren Beschäftigten und Frauen erhöht.

Deutschland droht wegen des Fachkräftemangels eine Zeitenwende. So lautet zumindest die wenig optimistische Einschätzung der staatlichen Förderbank KfW. "Das Fundament für weiteres Wohlstandswachstum bröckelt", hieß es in einer am Montag (23. Januar) veröffentlichten Studie. "Das Thema Fachkräftemangel ist schon lange bekannt, und es hat im letzten Jahr nochmal eine neue Qualität erhalten", erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Sei es, weil Handwerker erst später helfen könnten, oder das Lieblingsrestaurant seine Öffnungszeiten aus Personalmangel eingeschränkt habe.

Im Video erfahren Sie mehr über die Informatik-Wüste Deutschland - 137.000 IT-Fachkräfte fehlen.

Nicht nur die KfW - auch Handwerkspräsident Jörg Dittrich warnte vor den Folgen des Fachkräftemangels. Als alarmierend wertete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) den Rückgang der Studienanfänger in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) im Jahr 2021.

Das Fehlen von Fachkräften behindert der KfW zufolge bereits die Geschäftstätigkeit von jedem zweiten Unternehmen. Hinzu komme, dass die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem seit 2012 jährlich nur noch um 0,3 Prozent wachse. Bleibe das Produktivitätswachstum derart schwach und verstärke sich der Rückgang des inländischen Fachkräfteangebots, bedeute dies eine Zeitenwende: "Deutschland träte noch in diesem Jahrzehnt in eine Ära anhaltend stagnierenden, womöglich schleichend schrumpfenden Wohlstands ein." Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über die Studie berichtet.

Schrumpfender Wohlstand - wie wir handeln können

Nach Einschätzung der KfW muss an mehreren Stellschrauben gedreht werden. Das Arbeitskräfteangebot müsse durch Zuwanderung qualifizierter ausländischer Kräfte gesteigert werden. Arbeit müsse produktiver werden, etwa durch Förderung von Innovationen. Notwendig sei auch eine höhere Erwerbsbeteiligung von älteren Beschäftigten und Frauen.

Für sich genommen würde keine dieser Maßnahmen ausreichen. In der Summe könnten sie aber viel bewirken. "Wenn wir beispielsweise nur auf Zuwanderung als Ausgleich für die Alterung setzen würden, dann bräuchten wir bis 2030 pro Jahr eine Zuwanderung von über einer Million", erläuterte Köhler-Geib.

Notwendig sind aus ihrer Sicht der Ausbau bezahlbarer Kinderbetreuungs- und Pflegeangebote, die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und Qualifikationen sowie die Unterstützung beim Erlernen von Deutsch. "Mit Blick auf die Produktivität ist die Förderung von Investitionen in Innovation und Digitalisierung zentral, mehr Nachwuchs in MINT-Fächern und letztlich die weitere Verankerung lebenslangen Lernens in Deutschland", sagte Köhler-Geib.

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Bestimmte Dienstleistungen werden im Handwerk "nicht mehr angeboten"

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Studienanfänger in den MINT-Fächern im Jahr 2021 um rund 6,7 Prozent auf etwa 307.000. Die Zahl ausländischer Studienanfänger verringerte sich zwar infolge der Corona-Pandemie. Zugleich sei aber auch der Anteil derjenigen, die sich im ersten Fachsemester für MINT-Fächer entschieden, auf 37,7 Prozent gesunken. Im Jahr 2015 waren es noch 40,5 Prozent. "Die sinkenden Studierendenzahlen in den MINT-Berufen gefährden die Innovationskraft in Deutschland und damit Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen Wohlstand", warnte Axel Plünnecke, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Auch Handwerkspräsident Jörg Dittrich warnte vor den Folgen des Fachkräftemangels. Dieser werde in den kommenden Jahren in einen kritischen Bereich gelangen, wenn die Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen. "Die Gefahr besteht, dass dann im Handwerk bestimmte Dienstleistungen nicht mehr angeboten werden können. Wir müssen unbedingt und durch gemeinsame Kraftanstrengung von Politik und Handwerk verhindern, dass diese Situation eintritt", sagte Dittrich.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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