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Duma-Abgeordneter äußert sich

Spekulationen um Lukaschenkos Gesundheit: "Kann keine 100 Meter gehen"

  • Veröffentlicht: 15.05.2023
  • 17:06 Uhr
  • Lena Glöckner
Ist Lukaschenko ernsthaft krank? Die Gerüchte mehren sich.
Ist Lukaschenko ernsthaft krank? Die Gerüchte mehren sich.© via REUTERS

Nachdem Alexander Lukaschenko bereits vergangene Woche in Moskau zu kränkeln schien, ließ er sich jetzt bei einem der wichtigsten Tage in Belarus vertreten. Das heizt die Spekulationen an - und die Opposition formiert sich.

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Das Wichtigste in Kürze

  •  Lukaschenko ließ sich beim Festakt zum Tag der Staatsflagge vertreten - das erste Mal seit 29 Jahren.

  • Das heizte Spekulationen über den Gesundheitszustand Lukaschenkos weiter an.

  • Der ins Exil geflüchtete Ex-Kulturminister von Belarus, Pawel Latuschko, erklärte, dass Lukaschenko "offensichtlich sehr ernsthaft erkrankt ist".

Belarus' Machthaber Alexander Lukaschenko ist dem Festakt zum Tag der Staatsflagge zum ersten Mal seit 29 Jahren ferngeblieben. Seine Abwesenheit bei der mit viel Pomp aufgezogenen Staatsfeier, heizte Spekulationen über seinen Gesundheitszustand an. Das Staatsfernsehen zeigte schon seit Tagen keine aktuellen Bilder des Politikers, der allerdings zum Festtag eine Grußbotschaft mit Gratulationen verlesen ließ. Zuvor hatten Medien in der benachbarten Ukraine berichtet, Lukaschenko sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

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Lukaschenko, der oft als letzter Diktator Europas bezeichnet wird, hatte am vergangenen Dienstag (9. Mai) in Moskau die Militärparade zur Erinnerung an den Sieg der Sowjetarmee über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg besucht. Dabei wirkte er auffällig angeschlagen und verließ die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai vorzeitig. Eine Stellungnahme über seinen Zustand aus dem Präsidentenamt in Minsk gab es bislang nicht.

Opposition will auf politischen Wechsel vorbereiten

Der im Exil in der EU lebende Oppositionspolitiker Pawel Latuschko, der selbst einmal der Regierung in Minsk als Kulturminister angehört hatte, sagte am Freitag, dass Lukaschenko "offensichtlich sehr ernsthaft erkrankt ist". Vom einstigen Bild des starken Anführers sei nichts mehr übrig. Lukaschenko hatte sich 2020 in einer umstrittenen Präsidentenwahl erneut zum Sieger erklärt und Proteste gegen die Abstimmung niederschlagen lassen. "Er kann schon nicht einmal mehr ein paar 100 Meter gehen, kann keine Reden mehr halten, kann nicht mal mehr gerade auf der Tribüne stehen, wankend vor Schwäche", sagte Latuschko. Das Staatsfernsehen sei hilflos und wisse schon nicht mehr, was es sagen oder zeigen solle.

Die im Exil lebende Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat die belarussische Bevölkerung angesichts der Gerüchte dazu aufgerufen, sich auf einen politischen Wechsel vorzubereiten. "Wir müssen auf jedes Szenario gut vorbereitet sein. Um Belarus auf den Weg der Demokratie zu bringen und eine Einmischung Russlands zu verhindern", schrieb sie am Montag (15. Mai) im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die internationale Gemeinschaft müsse "proaktiv und schnell" sein.

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Duma-Abgeordneter beschwichtigt

Ein Duma-Abgeordneter wies die Gerüchte zu Lukaschenkos Erkrankung zurück. "Das ist nichts Außergewöhnliches, kein Covid. Der Mensch ist einfach erkrankt", sagte am Sonntagabend der Duma-Abgeordnete Konstantin Satulin dem Internetportal "Podjom". Woran der 68-Jährige erkrankt ist, wollte Satulin, der im russischen Parlament Vizechef des Ausschusses für Angelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ist, nicht verraten. "Er braucht wahrscheinlich ein bisschen Erholung, das ist alles", sagte er.

Als autoritärer Machthaber ist Lukaschenko zentraler Dreh- und Angelpunkt des politischen Lebens in Belarus (Weißrussland). Sein Verbleib im Amt 2020 hatte er vor allem auch der Unterstützung durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verdanken. Belarus ist seither mehr denn je wirtschaftlich und finanziell von Russland abhängig. Minsk unterstützt Moskau auch bei dem Krieg in der Ukraine, indem es belarussisches Staatsgebiet russischen Streitkräften für Angriffe auf das Nachbarland überlässt.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur
  • Twitter Swetlana Tichanowskaja
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