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Scholz widerspricht Kirchenoberhaupt

Vatikan rudert nach Skandal-Interview von Papst Franziskus zurück

  • Veröffentlicht: 12.03.2024
  • 10:30 Uhr
  • Lena Glöckner
Die Kritik an den Äußerungen des Papstes reißt nicht ab.
Die Kritik an den Äußerungen des Papstes reißt nicht ab.© Gregorio Borgia/AP/dpa

Die Kritik an der Papst-Äußerung zur "weißen Flagge" reißt nicht ab. Kiew bestellt den Vatikan-Botschafter ein. Der Heilige Stuhl rudert im Interview mit einer italienischen Zeitung zurück.

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Die Kritik an Äußerungen von Papst Franziskus zu einer möglichen Kapitulation der Ukraine im Krieg gegen Russland reißt nicht ab. Nun äußerte sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz und widersprach den Einlassungen des Kirchenoberhaupts. In Kiew wurde als Zeichen des Protests der Vertreter des Heiligen Stuhls ins Außenministerium einbestellt.

Im Video: Papst zur Ukraine - Forderung nach Friedensverhandlungen stößt auf Entsetzen

Franziskus hatte in einem Interview zu dem inzwischen mehr als zwei Jahre laufenden russischen Angriffskrieg in der Ukraine gesagt: "Wenn man sieht, dass man besiegt ist, dass es nicht gut läuft, muss man den Mut haben, zu verhandeln." Franziskus wurde auch zu Forderungen nach "Mut zur Kapitulation, zur weißen Fahne" gefragt. Darauf antwortete er: "Das ist eine Frage der Sichtweise. Aber ich denke, dass derjenige stärker ist, der die Situation erkennt, der an das Volk denkt, der den Mut der weißen Fahne hat, zu verhandeln."

Vatikan rudert zurück

Vatikan-Sprecher Matteo Bruni widersprach später Darstellungen, der Papst habe die Ukraine zur Kapitulation aufgefordert. Auch der Stellvertreter des Papstes, Kardinal Pietro Parolin, ruderte gegenüber der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" nun zurück: Der Vatikan dränge auf einen Waffenstillstand und "zuallererst sollten die Aggressoren den Beschuss einstellen".

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In der Ukraine wurde derweil Visvaldas Kulbokas - der Apostolische Nuntius, der den Vatikan in der Ukraine vertritt - darüber informiert, dass das von Russland angegriffene Land "enttäuscht" sei von Franziskus' Äußerungen, teilte das Außenministerium in Kiew am Montagabend (11. März) mit. Der päpstliche Appell solle "an den Angreifer und nicht an das Opfer gehen", kritisierte die ukrainische Seite.

Scholz "nicht einverstanden" mit Papst-Äußerung

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ließ sein Unverständnis erkennen. "Die Ukraine hat das Recht, sich zu verteidigen, und die Ukraine kann sich darauf verlassen, dass wir sie dabei unterstützen", entgegnete der Kanzler auf einer Pressekonferenz mit dem malaysischen Premierminister Anwar Ibrahim in Berlin auf eine Frage nach der Papst-Äußerung. "Deshalb bin ich natürlich nicht einverstanden mit der zitierten Position." Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte sich zuvor sehr kritisch über die Worte des Papstes geäußert.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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