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"Manipulation und Spaltung"

Kuss-Affäre: Jetzt zerlegt sich Spaniens Frauen-Fußball vollends

  • Veröffentlicht: 19.09.2023
  • 13:46 Uhr
  • Carolin Ritter

Die spanische Fußballnationalspielerin Jennifer Hermoso hat dem Dachverband des spanischen Fußballs RFEF Manipulation vorgeworfen. Die Causa Rubiales zieht so immer weitere Kreise.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Abermals attackiert die spanische Nationalspielerin Jenni Hermoso den Fußballdachverband RFEF scharf.

  • Sie warf ihm in der Causa Rubiales Manipulation und Spaltung vor.

  • Die Nationalmannschaft hält den Druck weiter hoch - derweil drohen den Spielerinnen jedoch herbe Konsequenzen.

Die spanische Weltmeisterin Jennifer Hermoso hat den nationalen Fußballverband im Kuss-Skandal um Luis Rubiales heftig kritisiert und ihm Manipulation und Spaltung vorgeworfen. Der RFEF-Verband wolle die Spielerinnen einschüchtern und drohe ihnen mit rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen, so die Spanierin am Dienstag (19. September) auf ihrem X-Account (vormals Twitter). Der Fußballverband hatte die streikenden Nationalspielerinnen gegen ihren Willen dazu aufgerufen, zu den kommenden Länderspielen anzutreten. So zieht der Fall Rubiales herbe Konsequenzen für den gesamten Frauenfußball nach sich. Es herrscht Eiszeit unter dem Dachverband RFEF.

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Spielerinnen halten Druck weiter hoch

Zur Einordnung: Der inzwischen zurückgetretene Verbandschef Luis Rubiales hatte nach dem WM-Triumph der Spanierinnen über England am 20. August in Sydney die Spielerin Jennifer Hermoso ungefragt auf den Mund geküsst und damit eine riesige Protestwelle ausgelöst. Seitdem halten die Forderungen nach weiteren Rücktritten an.

"Wir haben Wochen, Monate damit verbracht, diesen Schutz zu suchen, den wir in der RFEF selbst nicht finden konnten. Die gleichen Leute, die uns um Vertrauen bitten, sind diejenigen, die heute eine Liste von Spielerinnen veröffentlichen, die darum gebeten haben, nicht berufen zu werden", kritisierte Hermoso den Verband. Sie und ihre Mitspielerinnen befinden sich seit Wochen im Streik. Sie hatten angekündigt, den Druck auf die Funktionäre des RFEF weiter hoch zu halten und nicht an weiteren Länderspielen teilzunehmen, solange die personellen Fragen in dem Fall nicht geklärt seien.

Die spanischen Nationalspielerinnen nach ihrem Sieg über England im WM-Finale 2023.
Die spanischen Nationalspielerinnen nach ihrem Sieg über England im WM-Finale 2023.© Rick Rycroft/AP/dpa

Nationalmannschaft drohen hohe Strafen wegen Nichtantritt

Unterdessen macht auch die oberste spanische Sportbehörde CSD Druck auf die Spielerinnen. Deren Präsident, Víctor Francos, kündigte einen Schlichtungsversuch an. Sollte dieser scheitern, sähe er sich gezwungen, die Spielerinnen zum Spielantritt zu zwingen oder Geldstrafen geltend zu machen. Dem spanischen Sportgesetz zufolge stellt die Weigerung, trotz Nominierung nicht anzutreten, eine besonders schwere Verfehlung dar, die Geldstrafen zwischen 3.000 und 30.000 Euro sowie Sperren zwischen 2 und 15 Jahren nach sich ziehen kann.

"Ungerechtfertigtes Nichterscheinen bei Ausschreibungen nationaler Sportmannschaften" wertet das neue spanische Sportgesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, als "sehr schwerwiegenden" Verstoß gegen die Verbandsregeln.

Spanien will sich über die Nations League für Olympia 2024 in Paris qualifizieren. Am Montag hatte die neue Nationaltrainerin Montse Tomé 15 Weltmeisterinnen für die ersten beiden Spiele des Wettbewerbs am Freitag in Schweden sowie am kommenden Dienstag daheim gegen die Schweiz nominiert. Tomé hat den nach der WM im Zuge des Skandals geschassten Jorge Vilda abgelöst.

Vor Journalisten in Madrid versicherte Tomé, sie habe mit den von ihr nominierten Fußballerinnen gesprochen und keine von ihnen habe die Teilnahme an den Begegnungen verweigert. Das sahen die Spielerinnen um Weltfußballerin Alexia Putellas komplett anders. Am späten Montagabend teilten sie mit, ihren Länderspiel-Streik fortzusetzen. Hermoso versicherte, komplett an der Seite ihrer Spielerinnen zu stehen.

Der geschasste Ex-Chef des spanischen Fußballverbandes RFEF Luis Rubiales kurz vor seinem Gerichtstermin am 15. September in Madrid.
Der geschasste Ex-Chef des spanischen Fußballverbandes RFEF Luis Rubiales kurz vor seinem Gerichtstermin am 15. September in Madrid.© AP Photo/Manu Fernandez
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Absetzung weiterer Funktionäre gefordert

Durch ihren Länderspiel-Streik wollen die Fußballerinnen den Druck auf den Verband hochhalten. 21 Mitglieder des Weltmeisterkaders und 18 weitere Topspielerinnen forderten unter anderem auch die Absetzung von RFEF-Interimschef Pedro Rocha und weiterer Funktionäre, die Rubiales nahestehen. Pikanterweise gilt auch Nationaltrainerin Tomé als Rubiales-Vertraute.

Am Montag hatte der Verband anlässlich der Kader-Nominierung ein Kommuniqué herausgegeben und betont: "Wir garantieren den Spielerinnen ein sicheres Umfeld und setzen uns für ein Klima des gegenseitigen Vertrauens ein, um gemeinsam dafür zu sorgen, dass sich der Frauenfußball in Zukunft noch stärker entwickelt."

Grundsätzlich sind vom Verband nominierte Spielerinnen verpflichtet, an Länderspielen teilzunehmen. Das sieht das Reglement des Weltverbands FIFA vor, in dem es aber auch heißt, dass der nationale Verband die betroffenen Spielerinnen spätestens 15 Tage vor dem Start eines Länderspiel-Lehrgangs schriftlich darüber informieren muss. Auf diese Ausnahme berufen sich die spanischen Spielerinnen aktuell. Sie erklärten, dass die neue Nationaltrainerin Montse Tomé die 15-Tage-Regel der FIFA missachtet habe, als sie die Spielerinnen gegen deren Willen am Montag für die Nationalelf nominierte. Der Verband sei deshalb gar nicht berechtigt, sie zum Erscheinen zu zwingen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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