Wegen Amokläufen
Florida rüstet Schulen auf: Bewaffnete Drohnen als neue Sicherheitsmaßnahme
- Veröffentlicht: 29.08.2025
- 14:30 Uhr
- Benedikt Rammer
In Florida starten drei Schulbezirke ein umstrittenes Projekt: Bewaffnete Drohnen sollen bei Amokläufen Leben retten. Kritiker:innen zweifeln an der Sicherheit und Praktikabilität der Technologie.
Das Wichtigste in Kürze
Drei Schulbezirke in Florida testen bewaffnete Drohnen zur Prävention von Amokläufen.
Die Fluggeräte sollen Täter:innen überwachen und im Notfall kampfunfähig machen.
Expert:innen zweifeln an der Sicherheit und Effektivität der Technologie.
Die Sicherheitsmaßnahmen an Schulen in den USA erreichen eine neue Dimension. Neben Metalldetektoren, Sicherheitswächter:innen und beschusshemmenden Vorhängen testen drei Schulbezirke in Florida nun bewaffnete Drohnen. Davon berichtet u.a. das US-Portal "Newsweek".
Diese sollen nicht nur Einsatzdaten an die Polizei übermitteln, sondern im Ernstfall den Täter kampfunfähig machen. Die Drohnen stammen von der texanischen Firma Campus Guardian Angel, die ihre Technologie als schnelle und effektive Lösung bewirbt.
Laut Hersteller sind die Mini-Drohnen in der Lage, innerhalb von 15 Sekunden einen Bewaffneten zu "konfrontieren". Ihre Hauptaufgabe ist es jedoch, einen Live-Feed an die Einsatzkräfte zu senden und so den Aufenthaltsort des Täters zu überwachen. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h im Außenbereich und etwa 80 km/h in Gebäuden sollen sie schnell und flexibel agieren können.
Um im Notfall rasch reagieren zu können, sind die Drohnen in speziellen Behältern untergebracht, die gleichzeitig als Ladestationen dienen. Von dort aus können die Fluggeräte innerhalb von fünf Sekunden starten. Bis zu sechs Drohnen befinden sich in einem Container, der an strategischen Punkten auf dem Schulgelände positioniert wird. Gesteuert werden die Drohnen von Expert:innen des Herstellers aus Texas.
Kritische Stimmen und Sicherheitsbedenken
Die Fluggeräte sind mit Gummi- und Pfeffergeschossen ausgestattet, um Angreifer unschädlich zu machen. Zusätzlich verfügen sie über Glasbrecher, die es ihnen ermöglichen, durch Fensterscheiben zu fliegen und den Täter abzulenken. Justin Marston, CEO von Campus Guardian Angel, zieht einen Vergleich zur Einführung von Sprinkleranlagen: "Seit es diese gibt, sind Großbrände in Schulen kein Thema mehr."
Trotz der ambitionierten Pläne gibt es erhebliche Zweifel an der Effektivität und Sicherheit der Drohnen. Expert:innen wie David Riedman warnen laut "Newsweek" davor, dass es für die Fluggeräte schwierig sein könnte, zwischen bewaffnetem Sicherheitspersonal und einer Amokläufer:in zu unterscheiden. Auch die hohe Geschwindigkeit der Drohnen birgt Risiken: Eine Kollision mit einem 60 km/h schnellen Gerät könnte schwere Verletzungen verursachen.
Hinzu kommt die Frage nach der Übersichtlichkeit: In einer ohnehin chaotischen Situation könnten bis zu 90 Drohnen pro Schule die Lage noch unübersichtlicher machen. Kritiker:innen bezweifeln zudem, dass alle Drohnenpilot:innen ausreichend geschult sind, um mehrere Geräte sicher zu steuern.
Politische Unterstützung trotz Kritik
Trotz dieser Bedenken hat Floridas Gouverneur Ron DeSantis das Projekt genehmigt und mit 557.000 Dollar unterstützt. Das System soll ab Januar 2026 vollständig einsatzbereit sein. Auch Texas zieht ähnliche Maßnahmen in Betracht: Dort könnten Drohnen mit Pfefferspray und Tasern bewaffnet werden – als günstigere Alternative zu bewaffnetem Sicherheitspersonal.
Die Problematik von School-Shootings bleibt jedoch bestehen. Laut einer CNN-Untersuchung gab es allein bis Ende Juli 2025 bereits 33 solcher Vorfälle in den USA, bei denen 15 Menschen starben und 41 verletzt wurden. Die Diskussion um geeignete Sicherheitsmaßnahmen wird daher weitergehen – zwischen Hoffnung auf technische Lösungen und kritischen Fragen nach deren praktischer Umsetzbarkeit.
- Verwendete Quellen:
- CNN: "School shootings in the US: Fast facts"