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Freie Wähler-Chef geht in die Offensive

Flugblatt-Affäre: Aiwanger geht Medien an und will mehr Macht

  • Veröffentlicht: 14.09.2023
  • 13:52 Uhr
  • Stefan Kendzia
Hubert Aiwanger hat gut lachen: Die Umfragewerte seiner Partei sind auf Rekordniveau. Jetzt fordert er mehr Macht.
Hubert Aiwanger hat gut lachen: Die Umfragewerte seiner Partei sind auf Rekordniveau. Jetzt fordert er mehr Macht.© REUTERS

Dass die Flugblatt-Affäre um Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger mit Stimmenzuwächsen für die Freien Wähler statt mit -verlusten quittiert wird, damit hätte wohl niemand gerechnet. Ein Zustand, der Aiwanger selbstbewusst nach mehr Macht streben lässt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Aiwanger kann sich über Stimmenzuwächse für die Freien Wähler freuen. Seine Partei liegt nun auf Platz zwei hinter der CSU.

  • Sollte die Bayern-Wahl mit entsprechend mehr Prozenten für die Freien Wähler ausgehen, fordert Aiwanger mehr Macht für seine Partei.

  • Generell sieht Aiwanger keinerlei Fehler im Krisenmanagement rund um die Flugblatt-Affäre.

Hubert Aiwanger - seines Zeichens Vize-Ministerpräsident von Bayern und Chef der Freien Wähler. Bis vor wenigen Tagen musste er sich noch mit Fragen zur Flugblatt-Affäre auseinandersetzen und um seinen Posten bangen - jetzt allerdings geht er in die Offensive, nachdem die Umfragewerte für seine Partei beachtlich gestiegen sind.

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"Er hat mich gemobbt": Ehemalige CSU-Politikerin über Aiwanger

Umfragewerte hieven Freie Wähler auf Platz zwei hinter CSU

Die Umfragewerte für die Freien Wähler sind auf Rekordniveau. Im neuen BayernTrend des Bayerischen Rundfunks liegen die Freien Wähler inzwischen bei 17 Prozent. Sie wären damit zweitstärkste politische Kraft im Freistaat hinter der CSU. Diese kann "nur" noch auf 36 Prozent der Wählerstimmen hoffen. Ein Wunder in Zeiten einer äußerst pikanten Flugblatt-Affäre, die sich Hubert Aiwanger noch immer stellen muss - auch wenn sich Ministerpräsident Markus Söder dazu entschlossen hat, seinen Vize im Amt zu belassen.

In einem exklusiven Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen" zeigt sich Aiwanger nun kampfeslustig und selbstbewusst. Er schießt gegen Medien und fordert ein Ministeramt mehr für die Freien Wähler, sollte die Bayern-Wahl mit entsprechend mehr Prozenten ausgehen. Ganz konkret liebäugelt er mit dem Landwirtschaftsministerium. Denn es sei "uns schon wichtig".

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Kleine Strafe spricht für unklares Vergehen

Eine Wendung, die beachtlich ist. Denn seit der Ablehnung gegen Aiwangers Entlassung hat sich dieser mit Aussagen zurückgehalten und geschwiegen. Jetzt nimmt er doch Stellung zur Affäre und distanziert sich erneut von dem antisemitischen Flugblatt, das sich einst in seinem Schulranzen befunden und von seinem Bruder geschrieben worden sein soll. Die damals von der Schule verordnete Strafe, dafür lediglich ein Referat halten zu müssen, verkauft Aiwanger jetzt für sich. Denn die Höhe der Strafe spreche schließlich dafür, dass damals vieles unklar gewesen sein soll.

Generell sieht Aiwanger keinerlei Fehler im Krisenmanagement rund um die Flugblatt-Affäre. Es sei nichts anderes als eine geplante Schmutzkampagne gewesen - der Süddeutschen Zeitung unterstellt er in diesem Zusammenhang, dass diese schon länger eher negativ über ihn berichtet haben soll. Aiwanger, der Einzelkämpfer. Das wird auch deutlich, als er von seinem Verhältnis zu Markus Söder spricht: "Ein Herz und eine Seele waren wir noch nie." Es war nicht Söder, der ihn unterstützt und überzeugt im Amt behalten habe - es waren die Zustimmungswerte, die Mitglieder und Wähler seiner Partei, die dafür gesorgt hätten, ihn nicht zu schassen. Außerdem hätte Söder nach Aiwangers Einschätzung im Falle einer Entlassung Nachteile befürchten müssen.

Aiwangers Umgang mit der Flugblatt-Affäre war eines stellvertretenden Ministerpräsidenten unwürdig

Florian von Brunn, Vorsitzender BayernSPD

Schwierigkeiten mit Aiwanger haben nicht wenige. Der bayerische SPD-Chef und -Spitzenkandidat Florian von Brunn kritisiert nicht nur Aiwangers Krisenmanagement in der Flugblatt-Affäre: "Aiwangers Umgang mit der Flugblatt-Affäre war eines stellvertretenden Ministerpräsidenten unwürdig", wie er sagt. Mehr noch. Aiwangers Bilanz als Wirtschaftsminister sei schlecht. Vielleicht sei das ein Grund, warum sich der Freie Wähler-Chef populistisch à la Trump präsentiere, wie von Brunn vermutet. Sein Fazit: "So jemand sollte keine Verantwortung für die Zukunft Bayerns tragen."

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