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Sorge um Minderjährige 

Geld verdienen mit TikTok Lite: EU sieht Suchtgefahr durch Bonus-Programm

  • Veröffentlicht: 19.04.2024
  • 17:47 Uhr
  • Michael Reimers
Das TikTok-Logo ist auf einem Mobiltelefon vor einem Computerbildschirm zu sehen, der den TikTok-Startbildschirm anzeigt.
Das TikTok-Logo ist auf einem Mobiltelefon vor einem Computerbildschirm zu sehen, der den TikTok-Startbildschirm anzeigt.© AP/Michael Dwyer

Bisher ist die abgespeckte Version von TikTok erst in Spanien und Frankreich verfügbar, doch die EU ist alarmiert: Sie hat Bedenken, dass TikTok Lite insbesondere für Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Suchtpotenzial birgt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Das chinesische Tiktok-Unternehmen ByteDance hat die neue App "TikTok Lite" in Frankreich und Spanien eingeführt.

  • Die Europäische Kommission wirft dem Unternehmen vor, mit dem Bonus-Programm der App insbesondere Minderjährige süchtig zu machen.

  • Das Anschauen von Videos wird bei TikTok Lite mit digitalen Münzen belohnt, die auf PayPal oder Amazon eingelöst werden können.

Eigentlich darf man sie erst ab 18 Jahren nutzen, die neue App von TikTok mit dem Namen TikTok Lite. "Ich bezweifle aber, dass man plötzlich bei TikTok seinen Personalausweis vorzeigen muss", sagte Jennifer Repp vom WDR-TikTok-Kanal "nicetoknow" in einem Interview mit wdr.de, das am Freitag (19. April) veröffentlicht wurde. Schon jetzt könne man bei TikTok, das ab 13 Jahren erlaubt ist, sofern Erziehungsberechtigte zustimmen, Fake-Identitäten angeben.

Dem Bericht zufolge erhalten Nutzer:innen von TikTok Lite für das Ansehen und Liken von Videos digitale Münzen. Belohnt wird auch, wer Kanäle abonniert oder Freund:innen einlädt. Die digitalen Münzen könnten dann etwa gegen Amazon-Gutscheine oder PayPal-Geschenkkarten eingetauscht werden.

Im Video: "Ich tanze nicht. Versprochen" - Scholz startet mit eigenem TikTok-Account

TikTok Lite: "Für Jüngere sehr verlockend"

Zwar soll nach mehreren Medienberichten die Bildschirmzeit auf eine Stunde pro Tag begrenzt sein, womit sich eigentlich auch die täglichen Prämien und Auszahlungen im Rahmen halten müssten.

Doch wie ein geleaktes in der "New York Times" zeige, so Jennifer Repp, setze TikTok durch seinen Algorithmus auf immer neue Click- und Seh-Reize für die User:innen. "TikTok Lite kann diese Reize noch einmal erhöhen." Bisher könnten nur die großen Content Creator und Influencer:innen mit TikTok Geld verdienen. "Jetzt kann ich das auch als normaler User. Vor allem für Jüngere klingt das sehr verlockend", so Repp.

Im Video: TikTok: Deutsche Politiker fordern schärferes Vorgehen gegen chinesische App

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EU warnt vor Suchtgefahr für Kinder und Jugendliche

Nach der Einführung von TikTok Lite in Frankreich und Spanien hatte die EU am Mittwoch (17. April) ein Risikoprofil für die neue App der Kurzvideo-Plattform angefordert. Die Europäische Kommission habe dem Unternehmen eine Frist von 24 Stunden gesetzt, teilte die Behörde mit. Es bestünden Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen der App auf Kinder und Jugendliche. Die Tochter des chinesischen Konzerns ByteDance hätte vor der Einführung in der EU eine Risikobewertung vornehmen müssen.

"Wir werden keine Mühen scheuen, um Minderjährige unter dem DSA zu schützen", schrieb EU-Industriekommissar Thierry Breton auf dem Kurznachrichtendienst X. Er bezog sich dabei auf das Regelwerk Digital Services Act (DSA), das insbesondere großen Internet-Plattformen strenge Regeln auferlegt. Dadurch sollen die Grundrechte der EU-Bürger:innen im Internet geschützt werden, expliziert auch die der Kinder. "Wir stehen bereits im Kontakt mit der Kommission und werden auf die Aufforderung antworten", erklärte ein Sprecher von TikTok.

:newstime

Die Kommission sieht insbesondere in dem Bonus-Programm von TikTok Lite eine potenzielle Förderung von Suchtverhalten. Die Behörde hatte bereits im Februar wegen eines mutmaßlich mangelhaften Jugendschutzes ein formelles Ermittlungsverfahren gegen TikTok eingeleitet. Sollte die EU-Kommission zu dem Schluss kommen, dass TikTok gegen den Digital Services Act verstößt, kann sie der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens verhängen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • WDR: "Wer Videos bei TikTok Lite schaut, verdient Geld - EU fordert Antworten"
  • New York Times: "How TikTok Reads Your Mind"
  • Le Monde: "TikTok Lite, a new app quietly released in France that rewards screen time"
  • BBC: "EU demands answers on money-for-views version of TikTok"
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