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Finanz-Debakel

Hiobsbotschaft der Krankenkassen: Erwartet Versicherte jetzt Kosten-Explosion?

  • Aktualisiert: 25.04.2024
  • 17:08 Uhr
  • Lisa Apfel
Krankenkassen: Droht Beitragszahler:innen im nächsten Jahr die Kosten-Lawine?
Krankenkassen: Droht Beitragszahler:innen im nächsten Jahr die Kosten-Lawine?© Alexander Heinl/dpa-tmn

Hiobsbotschaft für Krankenversicherte: Die Kassen warnen vor einer wahren Kosten-Explosion. Und das schon ab nächstem Jahr.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschlands Betriebskrankenkassen warnen vor einer deutlichen Kostensteigerung für gesetzlich Versicherte im Jahr 2025.

  • So könnten Beitragszahler:innen im Ernstfall zwischen 120 und 200 Euro vom Nettolohn an die Kasse abgeben müssen.

  • Die Kassen müssen hohe Kosten aufbringen, die Defizite sind von Jahr zu Jahr spürbarer. Auch Neuerungen wie die Krankenhausreform spielen eine Rolle.

Gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland könnte bald ein Rechnungs-Schock treffen. Wie ZDF "heute" berichtet, könnte die Beitragszahlung, die aus dem Basissatz und dem Zusatzbeitrag zusammengesetzt ist, massiv ansteigen.

Demnach liegt der aktuelle Basissatz bei 14,6 Prozent, der Zusatzbeitrag im Schnitt bei 1,7 Prozent. Letzterer könnte sich laut ZDF "heute" auf 2,45 Prozent und damit auf einen Rekordanstieg belaufen. In Lohnkosten bedeute das zwischen 120 und 200 Euro vom Nettolohn.

Hohe Ausgaben, leere Kassen

Anne-Kathrin Klemm, Chefin des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen, hatte bereits in einem Interview mit dem "Handelsblatt" vor einer Kostenexplosion gewarnt: "Ohne Gegensteuern drohen 2024 und 2025 massive Beitragserhöhungen", erklärte sie. So seien keine Finanzreserven mehr im System, sagte Klemm.

Doch woher kommt der frühzeitige Alarm? Schließlich entscheiden die Krankenkassen eigentlich erst im Dezember über Beitragserhöhungen.

Dazu bedarf es eines kleinen Finanzüberblicks: Von den 400 Milliarden Euro, die Deutschland laut ZDF "heute" zuletzt für Gesundheit ausgab, tragen rund die Hälfte die gesetzlichen Krankenkassen. Diese müssen demnach jedoch seit Jahren Defizite verkraften.

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Streitthema Krankenhausreform

Die Kassen kritisieren auch deshalb Neuerungen, unter anderem die Krankenhausreform: Zu teuer und nicht stemmbar, heißt es von den Kassen, schreibt ZDF "heute". Die Reform soll laut dem NDR unter anderem durch einen Transformationsfonds bezahlt werden. Die Kassen sollen demnach von 2026 an pro Jahr 2,5 Milliarden Euro übernehmen. 

Die Reformpläne zielen darauf, die Vergütung mit Pauschalen für Behandlungsfälle zu ändern, um Kliniken von finanziellem Druck zu immer mehr Fällen zu lösen. Künftig sollen sie 60 Prozent der Vergütung allein schon für das Vorhalten von Angeboten bekommen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen genauer definierte Leistungsgruppen mit einheitlichen Qualitätsvorgaben sein.

Von gesetzlichen Krankenkassen kamen Warnungen vor Abstrichen bei Vorgaben für die Behandlungsqualität und eine stärkere Spezialisierung. Barmer-Chef Christoph Straub mahnte vor einer Bund-Länder-Runde vor dem Risiko, dass von der groß angekündigten Reform eine reine Finanzreform übrig bleibe. "Damit drohen enorme Kosten für das System und die gesetzlich Versicherten, ohne dass die dringend notwendigen Qualitäts- und Strukturveränderungen tatsächlich angepackt werden." 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach setzt trotz der anhaltenden Differenzen mit den Ländern auf zügige nächste Schritte zur Krankenhausreform. Bei einigen geforderten Punkten wie mehr Entbürokratisierung könne man mitgehen, sagte der SPD-Politiker nach den Bund-Länder-Beratungen am 17. April in Berlin. Dagegen seien generell vorgesehene Qualitätsvorgaben für den Bund nicht verhandelbar. Die Notwendigkeit der Reform sei nicht infrage gestellt worden. Alle wüssten, dass es eine "historische Gelegenheit" sei, das System in einer Art neu aufzubauen, wie es benötigt werde. Aus den Ländern wurden weiter Einwände laut.

Im Video: Krankenhausreform - Was sich ändert, wenn man in die Klinik muss

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Versicherte werden zur Kasse gebeten

Fundamentale Änderungen, etwa die Trennung zwischen privat und gesetzlich Versicherten abzuschaffen, sind laut ZDF "heute" "kaum zu erwarten".

Das Fazit deshalb: Wohl oder übel werden es die Versicherten mit ausbaden müssen. Beitragszahler:innen dürften 2025 also aller Wahrscheinlichkeit nach tiefer in die Tasche greifen müssen. Ein Preisvergleich könnte aber zumindest etwas Abhilfe schaffen.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • NDR: Krankenkassenbeiträge: Was kommt auf Versicherte zu?
  • "Handelsblatt": Krankenkassen erwarten 2025 bisher höchsten Anstieg der Zusatzbeiträge
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