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Michail Mischustin

Wenn es nach China geht, soll dieser Russe Putin im Kreml ablösen

  • Aktualisiert: 13.06.2023
  • 08:12 Uhr
  • Michael Reimers
Michail Mischustin mit Chinas Premier Li Qiang im Mai in Peking.
Michail Mischustin mit Chinas Premier Li Qiang im Mai in Peking.© REUTERS

China umwirbt den russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin. Nach Ansicht mehrerer Außenpolitikexperten steckt dahinter Kalkül - sie wollen ihn für eine Zeit nach Putin positionieren. 

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Im Mai hofierte Chinas Staatschef Xi Jinping den russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin in der Volksrepublik - ihn allein. Wladimir Putin war nicht eingeladen. Und bereits im März bestand der chinesische Präsident bei seinem Russland-Besuch darauf, auch Mischustin zu treffen, nicht nur den Kreml-Machthaber - obwohl es gegen das chinesische Protokoll verstoß.

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Eigentlich stellt Mischustin eines der 13 ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat des Kreml dar. Nach Angaben von Beobachtern hat er nach seiner China-Reise im Mai aber keinem der beiden Treffen des Rates mehr beigewohnt. Offenbar nannte der Kreml auch keine Gründe für seine Abwesenheit. Anders Aslund von der US-Denkfabrik Atlantic Council ist der Ansicht, dass Putin Mischustin ausgeschlossen hat - und damit seine Missbilligung für dessen Ambitionen zum Ausdruck bringen will.

"Das übliche Vorgehen wäre gewesen, dass Putin Mischustin in die Runde holt und dieser berichtet, was er in China erfahren hat", so der Russland-Experte. "Die Chinesen haben gezeigt, dass sie Putin misstrauen und in Mischustin eine mögliche Alternative zu ihm sehen." Aslund betont, dass Mischustin oft bei der Analyse der Machtverhältnisse in Russland übersehen wird, aber seine Beziehungen sowohl zu China als auch zu Putin genau beobachtet werden sollten.

Russland-Expertin: "Es liegt in niemandes Interesse, sie zu vergrämen"

Wie Anna Arutunjan, eine russisch-amerikanischen Publizistin, im "Spectator" schreibt, gewinnt Mischustin immer mehr Vertrauen im Land. "Während sich Putin ganz auf das Geschehen an der Front in der Ukraine konzentriert, liegt das tägliche Regieren inzwischen weitgehend in den Händen des Ministerpräsidenten", so die Expertin der US-Denkfabrik Wilson Center. Zeitgleich müssten die meisten Minister Mischustin Bericht erstatten, nicht Putin. Und sollte Putin sterben, werde er automatisch zum Übergangspräsidenten ernannt, erklärt Arutunjan.

Das Besondere an Mischustin sei laut Arutunjan, dass er sich kaum zum Ukraine-Krieg äußere und sich auch nicht als Nationalist positioniere. Dennoch sei es "sehr weit hergeholt", ihn und andere russische Technokraten als die "Guten" zu bezeichnen. Er sei ebenso in Korruption verstrickt wie alle anderen. Dennoch müssten sich westliche Politiker:innen von dem Gedanken verabschieden, dass Russland sich in eine friedliche Demokratie verwandle oder gar ganz zerfalle und über eine realistische Zukunft nachdenken. "Diese Technokraten werden in nächster Zeit keine Antworten haben, aber es liegt in niemandes Interesse, sie zu vergrämen", so die Expertin.

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