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Lieferketten-Gesetz

Experten schlagen Alarm: Wird in der EU bald Kaffee knapp?

  • Aktualisiert: 12.03.2024
  • 20:36 Uhr
  • Kira Born

Wird Kaffee bald knapp? Das neue Lieferketten-Gesetz der EU betrifft auch die Kaffee-Branche und könnte ab 2025 zu Lieferengpässen und Preissteigerungen führen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Infolge des neuen Lieferketten-Gesetzes der EU könnte Kaffee ab 2025 deutlich teurer werden.

  • Kaffee-Hersteller und der Deutsche Kaffeeverband warnen vor einer möglichen Kaffee-Knappheit und einer Preissteigerung.

  • Kritiker:innen bemängeln den bürokratischen Aufwand und verlangen eine Verschiebung der Regelung.

Die Kaffee-Branche fordert in einem Schreiben an die Bundesregierung, das neue Lieferketten-Gesetz der EU erst später anzuwenden. Im Juni 2023 hatten sich die EU-Mitgliedstaaten auf die neue Verordnung geeinigt.

Die Bereitschaft, das neue Lieferketten-Gesetz der Europäischen Union (EU) umzusetzen, ist seitens der Kaffee-Hersteller und des Deutschen Kaffeeverbandes grundsätzlich gegeben. Doch die Realisierung sei zu schnell gefordert und würde die Existenz von Millionen Kaffeebauern bedrohen, sagte Holger Preibisch, Geschäftsführer des Kaffeeverbands, der Deutschen Presse-Agentur.

"Uns droht eine Unterversorgung auf dem deutschen und europäischen Markt. Die Preise für den dann noch verfügbaren Kaffee werden signifikant steigen", hieß es vom Deutschen Kaffeeverband. Auch Kaffee-Hersteller wie Lavazza, Melitta und Darboven fordern mehr Zeit für die Umsetzung des neuen Gesetzes.

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Kaffee-Hersteller warnen vor Lieferengpässen 

Kaffee-Hersteller und der Deutsche Kaffeeverband äußern sich besorgt angesichts der Umsetzung und der Auswirkungen der neuen EU-Verordnung. "Die Folgen werden eine klare Verknappung des Angebots von Rohkaffee sein und die Preise dadurch steigen", sagte eine Sprecherin des Kaffee-Hersteller Darboven.

Der Kaffeeverband, der etwa 360 Unternehmen und Organisationen vertritt, befürwortet den Inhalt der Regelung nach eigenen Angaben. Dennoch kritisiert der Verband, dass es nicht möglich sei, die erforderlichen Daten bis Ende 2024 vollständig bereitzustellen.

Ab 2025 müssen Kaffeeimporteure und Röstereien dem EU-Gesetz zufolge bei jeder neuen Lieferung eine erneute Bewertung der Daten durchführen und an die EU übermitteln. Preibisch erklärte, dass dies in einigen Kaffee-Anbauländern aufgrund fehlender Informationsschnittstellen schwierig sei, und beklagte den bürokratischen Aufwand. Außerdem "erfüllen nur etwa 20 Prozent der Farmer die Anforderungen" des Liefergesetzes, gab der Kaffee-Verbandschef an.

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EU: Wald soll nicht für Kaffee-Anbau gerodet werden 

Hintergrund der Unruhen in der Kaffee-Branche ist die im Juni 2023 Regelung zu entwaldungsfreien Lieferketten. Das neue EU-Gesetz soll sicherstellen, dass der Abbau von Rohstoffen "nicht zur Entwaldung und Waldschädigung in der EU und anderswo in der Welt beitragen" wird, hieß es in einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission.

Auch wies die EU-Kommission die Kritik am neuen Lieferketten-Gesetz zurück. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte die Behörde, es gebe keine Information darüber, dass die Verordnung Lebensmittelpreise anheizen würde. Die Kommission rechne mit begrenzten Auswirkungen auf die Kaffee-Preise. Andere von der Verordnung abgedeckten Rohstoffe sind beispielsweise Soja, Rindfleisch und Kakao.

Die Kommission hatte das Gesetz im November 2021 vorgeschlagen und dabei auch die Auswirkungen des Vorhabens untersucht. Die Untersuchung kam den Angaben zufolge zu dem Schluss, dass die Kosten, die den Unternehmen durch Vorschriften entstehen, deutlich geringer seien als die erwarteten Vorteile. Dazu zählen etwa Zugang zum EU-Markt und dass die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigt.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • ZDF: "Droht ab 2025 ein Kaffeemangel?"
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