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In ARD-Interview

Selenskyj warnt Deutschland vor Gefahr eines "Dritten Weltkriegs"

  • Aktualisiert: 29.01.2024
  • 21:01 Uhr
  • Lena Glöckner
Selenskyj sprach im Interview deutliche Worte.
Selenskyj sprach im Interview deutliche Worte.© via REUTERS

Wolodymyr Selenskyj hat eindringlich davor gewarnt, dass bei einem Sieg Russlands über sein Land auch andere europäische Länder in Gefahr seien. Olaf Scholz habe dies aber begriffen, so der ukrainische Präsident.

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Bei einem Sieg Russlands über die Ukraine wären auch andere europäische Länder wie Deutschland in Gefahr, warnte der ukrainische Präsident in der ARD. Bundeskanzler Olaf Scholz habe die Absichten und Ziele von Kremlchef Wladimir Putin inzwischen klar erkannt, so Wolodymyr Selenskyj in einem am Sonntagabend (28. Januar) ausgestrahlten Interview, das die Moderatorin Caren Miosga am Mittwoch (24. Januar) mit ihm geführt hatte. "Er hat verstanden, dass Putin nicht nur ein Name ist, sondern eine Bedrohung, und nicht nur eine Bedrohung für die Ukraine."

Im Video: "Noch mehr Kriege" - Selenskyj warnt vor dem "Wahnsinn" des Kremls

Ihm scheine, so Selenskyj, dass Olaf Scholz "dieses Risiko begreift. Und das bedeutet ganz klar – Dritter Weltkrieg". Ob Russland sich nach einem Sieg über die Ukraine zuerst gegen Deutschland, Polen oder die baltischen Staaten richte, könne er nicht sagen, fügte Selenskyj hinzu. Ob und wann dies geschehe, welchen NATO-Staat es als ersten treffen werde, könne er nicht sagen, meinte Selenskyj weiter. "Olaf hat gespürt, dass er nicht nur Bundeskanzler ist, sondern einer der Leader im heutigen Europa", sagte er. Er würde Scholz gerne zum Freund haben.

Selenskyj enttäuscht von Deutschlands Rolle bei Krim-Besetzung

Selenskyj bedauerte erneut, dass Deutschland nicht bereit ist, Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern. Allerdings nahm er dafür nicht Scholz in die Verantwortung. Die Entscheidung des Bundestags, der die Lieferung mehrheitlich abgelehnt hatte, sei ein klares Signal gewesen. Doch er hoffe auf eine neue Entscheidung.

Enttäuscht sei er allerdings, sagte Selenskyj, dass Deutschland bei der Besetzung der Krim 2014 "nicht die Rolle gespielt hat, die es hätte spielen sollen". "Wir haben uns alle ein Deutschland verdient, das Russland an den Verhandlungstisch zwingt, um ihm klarzumachen, dass es das Völkerrecht nicht verletzen darf, dass man die Werte nicht verletzen darf."

Am 24. Februar jährt sich der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zum zweiten Mal. Selenskyj räumte in dem ARD-Interview die Notwendigkeit ein, Frontsoldaten durch häufigere Ablösungen zu entlasten. Ihm sei klar, dass angesichts der Leistung ukrainischer Soldaten "Dankbarkeit nicht ausreicht", sagte Selenskyj. "Wir brauchen eine gerechte Rotation, sie brauchen Urlaub, denn Geld allein kann das nicht aufwiegen."

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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