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Deutsches Schulsystem

Pisa-Studienkoordinator warnt: Darum verliert Deutschland Anschluss an Weltspitze

  • Veröffentlicht: 11.09.2023
  • 12:25 Uhr
  • Clarissa Yigit
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher kritisiert, dass während der Corona-Pandemie die Schulen zu lange geschlossen waren und es unzureichende digitale Alternativangebote gab.
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher kritisiert, dass während der Corona-Pandemie die Schulen zu lange geschlossen waren und es unzureichende digitale Alternativangebote gab.© Foto: Jan Woitas/dpa

Der Koordinator der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, warnt in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen", dass das deutsche Schulsystem den Anschluss an die Weltspitze verlieren könnte.

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In einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" warnt der Koordinator der internationalen Pisa-Studie, Andreas Schleicher, dass Deutschland bei der Schulbildung den Anschluss an die Weltspitze verlieren könnte – auch Bundesländer wie Bayern. Dies wurde bereits bei der letzten Pisa-Studie aus dem Jahr 2018 deutlich, in der deutsche Schüler:innen eher durchschnittlich abgeschnitten haben.

"Man kann durchaus von Krise sprechen", betonte der OECD-Bildungsdirektor gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" in der Ausgabe von Montag (11. September). Die Frage sei nun, wie Deutschland wieder an die Spitze kommt.

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Schulschließungen während der Corona-Pandemie zu lang

Laut Schleicher tut sich Deutschland gerade bei der Digitalisierung schwer. Insbesondere während der Corona-Pandemie sei dies deutlich geworden. Die Schulschließungen seien viel zu lang gewesen und digitale Alternativangebote unzureichend.

Dieser Umstand könnte sich nun auch in der aktuellen Pisa-Studie widerspiegeln, die im Dezember veröffentlicht wird. "Gerade bei Schülern aus sozial ungünstigem Umfeld hinterlässt so etwas seine Spuren", so Schleicher gegenüber der "Augsburger Allgemeinen". "Ich glaube schon, dass in Deutschland während der Pandemie einiges aus dem Ruder gelaufen ist."

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Deutsches Schulsystem verbesserungswürdig

Dennoch würde Schleicher auch seine Kinder auf eine deutsche Schule schicken, auch wenn er das Schulsystem insgesamt für sehr verbesserungswürdig halte.

Zudem hebt der OECD-Direktor des Direktorats für Bildung hervor, dass gerade ein Bundesland wie Bayern sich nicht nur an den restlichen Bundesländern messen dürfe. "Ein Land wie Deutschland oder auch Bayern muss sich fragen: Wie kommen wir an diese Weltspitze wieder heran?"

Dabei sieht der Bildungsforscher auch einen Vorteil bei Quereinsteigern. Gerade, weil diese Menschen die "reale Welt" besser kennen würden als Lehrer:innen.

So sollten in Deutschland Geld, Raum, Zeit und Personal kreativer kombiniert werden, schreibt die "Augsburger Allgemeine".

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Neue Unterrichtskonzepte und kulturelle Vielfalt

Der studierte Naturwissenschaftler, der selbst eine Waldorfschule besucht hat, findet zudem, dass Lehrkräfte neue Unterrichtskonzepte entwickeln und auf die Schüler:innen eingehen müssten.

Auch würde eine kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer den Unterricht bereichern. Denn wenn man die Welt aus verschiedenen Sichtweisen betrachte, kann dies bei der Bildung globaler Kompetenzen behilflich sein. Allerdings sei hierbei Sprache unumgänglich.

Daher halte es Schleicher auch für nachdenkenswert, eine Kindergartenpflicht in Deutschland einzuführen, um mit einer guten, sprachlichen Basis in der Schule zu starten.

Die Pisa-Studie

Andreas Schleicher ist der Erfinder der Pisa-Studie – dem größten internationalen Schulleistungsvergleich.

Seit dem Jahr 2000 werden in einem Rythmus von drei Jahren 15-jährige Schüler:innen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften getestet. Nach dem "Pisa-Schock der ersten OECD-Bildungsstudie" habe Deutschland enorme Fortschritte erzielt. "Aber heute ist vieles an Reformdynamik wieder draußen", betonte der Bildungsforscher.

In der letzten Studie aus dem Jahr 2018 – an der 79 Länder teilgenommen hatten – haben deutsche Schüler:innen eher durchschnittlich abgeschnitten, schreibt die "Augsburger Allgemeine" abschließend.

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