Vor Gespräch mit Trump
Ukraine-Krieg: Experten bei Miosga sehen bei Putin keinerlei Friedenswunsch
- Veröffentlicht: 19.05.2025
- 15:29 Uhr
- Joachim Vonderthann
In Istanbul scheitern die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland ohne einen Durchbruch. Die Gäste bei Caren Miosga sehen das Treffen als Ausweichmanöver Putins, der weiterhin auf Krieg setzt.
Am Verhandlungstisch in Istanbul trafen Vertreter:innen der Ukraine und Russland zusammen, jedoch endete das Treffen ohne entscheidende Fortschritte. Das Fehlen von Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj sowie die Abwesenheit von Donald Trump haben die Erfolgschancen erheblich geschmälert. Der US-Präsident plant nun, am Montag (19. Mai) mit seinem russischen Amtskollegen zu telefonieren, um die Friedens-Chancen auszuloten.
Angebot Putins nur Ausweichmanöver
Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker, bezeichnet Putins Gesprächsangebot an Kiew am Sonntagabend im ARD-Talk "Caren Miosga" als Ausweichmanöver. Kurz nach dem Treffen ordnete Putin neue Angriffe auf die Ukraine an, was laut Röttgen ein Hinweis darauf ist, dass Krieg Putins bevorzugtes Mittel bleibt. Claudia Major, Sicherheitsexpertin, sieht ebenfalls diplomatische Bemühungen skeptisch und betont, dass Russland andere Vorstellungen von Diplomatie habe als der Westen. Statt echter Verhandlungen strebe Moskau die Verlängerung des Konflikts an.
Russen-Delegation nicht an Erfolg interessiert
Die russische Delegation in Istanbul bestand aus weniger prominenten Unterhändler:innen. Der frühere deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch, kritisierte den russischen Unterhändler Wladimir Medinski als ideologisch und provokativ. ARD-Journalist Vassili Golod berichtete aus Kiew, dass die ukrainische Delegation den Eindruck hatte, Russland sei nicht an einer Einigung interessiert und habe kein Mandat für eine Waffenruhe.
Von Fritsch argumentierte weiter, dass Putin keinen Frieden anstrebe und nur der richtige Druck ihn zum Umdenken bewegen könne. Die bestehenden Sanktionen zeigten bereits Wirkung auf die russische Wirtschaft mit hoher Inflation und Rezession. Trump könnte den Druck erhöhen, indem er Sanktionen verstärkt.
SZ-Journalist Prantls sieht die Dinge anders
Heribert Prantl, Kolumnist der "Süddeutschen Zeitung", sah die gescheiterten Friedensgespräche als einziger in der Runde dennoch als Erfolg. Das Treffen in Istanbul sei der "Einstieg in den Einstieg von Verhandlungen" gewesen. Prantl bemängelte, dass neue Russland-Sanktionen der EU und der USA in den Verhandlungen als Drohkulisse eingesetzt wurden und nicht als Verhandlungsmasse.
Prantls Einschätzung widersprach Major entschieden. Sie entgegnete, es habe seit Kriegsbeginn vor über drei Jahren genügend Gesprächsangebote an Putin gegeben - was Prantl wiederum bezweifelte. Major zufolge sind aber alle Angebote durch Moskau ausgeschlagen worden. Prantl müsse anerkennen, dass Russland imperiale Ziele verfolge und deshalb zum Frieden nicht bereit sei.
"Sie müssen in Putins Logik denken"
Auch Ex-Botschafter von Fritsch kritisierte den Ansatz des SZ-Journalisten mit Blick auf Putin: "Herr Prantl, Sie müssen in seiner Logik denken." Und weiter: "Putin spielt das Spiel: Wer hält länger die Luft an. Erst wenn er dem Kremlherrscher das Geld fehle, den Krieg fortzusetzen und seine eigene Macht in Russland zu sichern, werde er einlenken.
- Verwendete Quellen:
- n.tv: ""Putin spielt das Spiel: Wer hält länger die Luft an"
- Nachrichtenagentur dpa