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Wie war es nach GNTM zuhause – haben dich Freunde anders wahrgenommen?

Zwischenmenschlich konnte man das manchmal nicht richtig einschätzen, weil Menschen kamen, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte und nun wieder Kontakt aufbauen wollten. Ich finde es schwierig, zu unterscheiden zwischen: 'Will dieser Mensch wirklich was von mir, also von dem Menschen, der ich auch davor war, oder nur von diesem GNTM-Mädchen'?

Man hört auch oft von Prominenten – nicht, dass ich mich jetzt selber als Promi bezeichnen würde – dass der alte Freundeskreis bleibt und man schnell merkt, wer die wahren Freunde sind und wer nicht.

Im Clip: Gewinnerin Jacky: Ihr Weg zum Topmodel

War beim ersten Job nach GNTM schon alles vertraut?

Das ist lustig, denn eigentlich wurden wir bei "Germany's Next Topmodel" mit Samthandschuhen angefasst. Das echte Modelleben ist viel extremer und da gibt es viel mehr Konkurrenz. Irgendwie fand ich es aber fast entspannter als bei GNTM. Nicht, dass es mir nicht super viel Spaß gemacht hat, die Reise und dieser Druck, immer wieder abliefern zu müssen, aber es war der erste Job ohne Kamera, ohne Interview, ohne Redakteure, die hinter dir stehen. Man ist aus diesem aktiven Konkurrenzkampf des gegenseitigen Bewertens raus. Das macht schon ein ganz anderes Gefühl am Set.

"Germany's Next Topmodel" ist eine krasse Show. Man wird auf total viele Sachen vorbereitet. Dafür bin ich auch super dankbar. Das heißt, es war auf jeden Fall schon vertraut und ich wusste, was ich mache und worauf die Fotografen achten.

Was hat dich "Germany's Next Topmodel" gelehrt?

Da gibt es so viele Situationen. Eine ganz wichtige Lektion für mich war, auch mal Fehler zulassen zu können. Ich bin ein sehr kritikfähiger Mensch und brauche Kritik, um lernen zu können. Fehler sind unfassbar wichtig im Leben. Ich bin genauso dankbar für die ganzen Tiefs, die ich während der Reise erlebt habe, wie für die Hochs.

Was war ein besonderes Tief?

Eine meiner größten Ängste ist Kontrollverlust. Der hat sich bei "Germany's Next Topmodel" komplett durchgezogen. Ich bin morgens aufgestanden und wusste erst mal nicht, was passieren wird. Ich bin abends ins Bett gegangen und wusste nicht, was morgen passiert. Das ist natürlich ein hoher Stressfaktor, an den habe ich mich aber sehr schnell gewöhnt.
Woran ich mich aber nur langsam gewöhnen konnte: Ich bin auf der anderen Seite der Welt und zuhause sitzen meine Liebsten und ich weiß nicht, was dort abgeht. Es waren die schwersten Momente, wenn ich mich da reingesteigert hatte. Ich konnte das zwar meist sehr gut abschalten, aber eben nicht immer. Das war echt eine richtig krasse Rollercoaster-Fahrt.

Was ist der größte Unterschied zwischen der Jacky von damals und der Jacky von heute?

Ich bin der gleiche Mensch wie vorher – mit mehr und außergewöhnlicher Lebenserfahrung. Es hat mich geprägt und ich konnte mich weiterentwickeln. Ich würde auf jeden Fall sagen: Ich bin reifer und erfahrener als vorher. Durch "Germany's Next Topmodel" gehe ich mit vielen Lebenssituationen viel entspannter um. Die bewusste Konfrontation mit meiner größten Angst, dem Kontrollverlust, hat mich mehr geerdet und ich habe gelernt, auch loslassen zu können.

 

Mit wem hast du bis jetzt noch Kontakt?

Ich habe Verena total liebgewonnen, wir haben nach wie vor viel Kontakt. Sie war eine Kandidatenbetreuerin. Sie war die ganze Zeit dabei, ich musste keine Angst haben, dass sie rausfliegt. Auch von Vivian und Nasty höre ich noch viel. Von Larissa und Lijana hin und wieder mal. Ich bin aber auch nicht zu GNTM gegangen, um Freunde zu finden. Ich freue mich natürlich darüber, wenn mich Menschen auf meinem weiteren Lebensweg begleiten. Aber ich habe das Ganze als Job, als Ausbildung, gesehen.

Wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren?

Das ist eine Frage, mit der ich mich in letzter Zeit viel befasse. Ich habe selbst noch keine richtige Antwort. Eins weiß ich aber sicher, dass es sich für mich so anfühlt, als ob ich aktuell auf dem richtigen Weg bin. Und dass ich mich auch wohlfühle in diesem Business und es nicht an den Nagel hängen möchte. 
Ich sehe mich in fünf oder zehn Jahren immer noch als der Mensch, der ich bin. Ich will mich nicht irgendwie verbiegen müssen, um an meine Ziele zu kommen. Denn dann wäre es nicht der richtige Weg. Ich glaube, dass es sinnvoll ist, sich beruflich breit aufzustellen. Daher würde ich auch niemals zum Schauspiel Nein sagen, weil mir das auch sehr viel Spaß macht.

Ich plane unfassbar gern. Aber ich habe gelernt, zwar zu planen, aber immer einen Seitenweg frei zu lassen für Eventualitäten, die sich auftun. Es ist total wichtig, dass man eine Struktur und einen Plan im Kopf hat, aber trotzdem so flexibel ist, anderes zulassen zu können. Das habe ich vor allem durch "Germany's Next Topmodel" gelernt.

Was würdest du neuen Modelanwärterinnen mitgeben?

Dass sie sie selbst bleiben sollen. Und sie sollten sich nicht zu viele Sachen zu Herzen nehmen. Man darf Fehler zulassen und sich sogar fast auf sie freuen, weil man durch Fehler wirklich lernt. Die macht man einmal und meistens nie wieder.

Wie würde dein Leben in einem Paralleluniversum aussehen?

Dort wäre ich unsterblich und hätte deswegen viel Zeit, Dinge auszuprobieren. Ich würde auf jeden Fall das Leben, das ich jetzt lebe, leben. Und dann würde ich irgendwann mal sagen: "So, jetzt reise ich mit dem Mustang von Mexiko nach Kanada". Und wenn ich das gemacht habe, dann bin ich vielleicht mal kurz auf einer Ranch und dann kehre ich wieder zurück zu dem anderen Leben. Oder ich würde immer richtig coole und fancy Abenteuer einstreuen, die ich jetzt nicht einstreuen würde. Aktuell zumindest nicht, denn die Zeit ist im Leben leider limitiert und ich sollte es mit Sachen füllen, die für mich jetzt wirklich wichtig sind. Das ist für mich gerade der Job und natürlich meine Liebsten Zuhause. 

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